ewiges Verstecken...

Kostenlos: 5 Übungen gegen Stottern

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  • Hallo zusammen,


    ich bin Stotterer seit meiner Kindheit, mal mehr mal weniger, jedoch ist es immer da.
    Ich war schon bei Therapien und habe auch schon einige andere Stotterer kennen gelernt und dabei gemerkt, das mich eine Sache von fast allen anderen unterscheidet: Sie stehen dazu, und ich nicht. Natürlich versuchen andere es auch zu verstecken, gerade in Situationen wo Fremde dabei sind, jedoch habe ich bis jetzt noch von keinem einzigen gehört, das der Freundeskreis nichts davon wüsste - anders als bei mir! Das gibt mir zu denken, denn all die Energie die es kostet, um niemand merken zu lassen das ich stottere, raubt mir soviel Lebensglück und Freiheit, das ich denke, dass ich mein Stottern durch dieses zwanghafte "es darf niemand merke" zu einem viel zu großen Teil meines Lebens lassen werde.
    Es ist bestimmt schwer zu glauben wenn ich sage das ich wirklich stottere, und keiner von meinen Freunden etwas davon ahnt, ja sogar mein Vater letztens meinte "Du?? Du hast doch keinen Sprachfehler mehr", aber so ist es einfach. Ich schäme mich so unglaublich für mein Sprechen, das ich lieber meine ganze Kraft in das Umformen von Sätzen und Wörtern stecke, die für mich leichter zu sprechen sind, anstatt mich einfach anzunehmen, und das Stottern zu akzeptieren. Meine Freunde würden niemals auf die Idee kommen, dass ich so ein Problem habe, sie denken halt alle einfach ich bin etwas ruhiger, und sage nie mehr als nötig. Und dabei bin ich das nicht!!! Wie oft sitze ich mit Gruppen beisammen, und alle erzählen etwas und in mir wächst das Gefühl auch etwas erzählen zu möchten, jedoch weiss ich das ich höchstens 2 Sätze (die ich mir schon zurecht geformt habe) fehlerfrei aussprechen kann, und danach der erste Hänger kommen würde.
    Die einzige Person, die mein Stottern wirklich erlebt, ist meine Mutter, bei der ich zur Zeit noch wohne. Sie hat mich von klein auf begleitet und sie ist somit auch die einzige Person, der ich mein wahres ich zeigen kann, wo ich fröhlich drauf los stottere und sage, was ich sagen will.
    Mir wurde in letzter Zeit immer bewusster, das ich eigentlich die meißte Energie am Tage in das Verstecken meines Stotterns stecke, und mir wurde auch bewusst, das ich deswegen einfach sehr oft furchtbar traurig bin. Ich bin mittlerweile 20Jahre alt, und habe auch Freue an vielen Dingen, doch dieses Sprachproblem steht mir überall im Wege, und noch mehr ich selbst, da ich es nicht akzeptieren will/kann.
    Selbst vor meiner Therapeutin verstecke ich mein Stottern und sage nie mehr, als flüssig rauskommt. Wenn ich ihr sage, wie sehr mich das alles belastet kann sie das nicht sogut verstehen, da sie mein Stottern in seiner wahren Form niemals mitbekommt.
    Ich vermisse es, einfach ich selbst sein zu können, einfach mal mit jemandem zu reden und nicht vor jedem Wort überlegen zu müssen, ob ich es fehlerfrei herauskriege oder nicht. Als Kind hatte ich das Problem noch nicht und habe immer drauf los gestottert, mittlerweile ist es mir einfach nur unangenehm und ich verstecke es vor jedem, deswegen war ich auch als Kind weitaus mehr "lebendiger" und redegewandter als heute, es hat mich einfach nicht gestört.
    Wenn ich Stotterertherapien besucht habe, habe ich die Zeit mit anderen Stotterern immer sehr genossen weil es einfach mal eine Zeit war, wo ich mich nicht schämen musste (wobei ich das teilweise trotzdem tat!!). Die Therapien waren jedoch leider immer nur von kurzem Erfolg, wahrscheinlich auch weil ich noch zu jung war um wirklich langfristig das Gelernt weiterzuüben im Alltag.
    Jedoch Therapie hin oder her - ich bin mir ziemlich sicher das der erste Schritt, das Stottern zu lösen wäre, es zu akzeptieren.
    Dieser Schritt ist jeodhc für mich unvorstellbar, was würden alle denken wenn sie mich auf einmal stottern hören würden, wo sie doch alle dachten ich sei einfach nur ein extrem ruhiger Mensch.
    Ich halte das nichtmehr aus in diesem inneren Gefängnis zu sitzen, und jeden Tag ist es das gleiche Versteckspiel, und jeden Tag kann ich nicht herzhaft lachen und genießen, da ich ständig im Kopf dabei bin, mein Sprechen zu bewachen. Ich bin es so leid...
    Wie ich ja am Anfang schrieb, habe ich bis jetzt noch keinen Stotterer kennen gelernt, der es wirklich vor JEDEM, selbst vor den engsten Freunden versteckt hat, aber es würde mich interessieren, ob es vielleicht doch jemandem ähnlich geht.
    Wie schafft man es dieses Eis,diese selbsterbaute Mauer zu durchbrechen?
    Zudem kommt bei mir hinzu, das mein Freundeskreis sehr unterschiedlich ist und ich schon sehr oft Enttäuschungen und Vertrauensbrüche erlebt habe, womit es mir ohnehin noch schwerer fällt, überhaupt zu jemandem Vertrauen aufzubauen...


    Vielen Dank für eure Antworten,
    und liebe Grüße.

  • Hey!
    Teilweise kommt mir das, was du da erzählst, bekannt vor. als ich vor zwei jahren in die neue schule kam, dachte ich, ich könne mein stottern verstecken, sodass weder lehrer noch mitschüler etwas davo bemerkten. am zweiten tag flog mein stottern sozusagen auf. trotzdem habe ich mein stottern so gut wie möglich versteckt, aber manchmal war es eben unvermeidlich, zb bei vorträgen usw. in meinem freundeskreis ist es mir mittlerweile nicht mehr peinlich, wenn ich stottere. was mir auch aufgefallen ist, dass ich bei engen freunden viel mehr stottere, einfach weil ich weiß, dass sie es akzeptieren. bei fremden leuten, bei großen gruppen und leider immer noch in der schule, versuche ich, mein stottern zu verstecken. aber zurzeit versuche ich wirklich, mich an den zügeln zu reißen und dazu zu stehen, dass ich stottere. vielleicht mag es dir anfangs peinlich sein, vor anderen zu stottern, aber es geht dir so viel besser, als es zu verstecken. wenn du einsiehst, dass es zu dir gehört, kannst du es auch deinen freunden erklären. wenn sie wahre freunde sind, werden sie dir zuhören und dich verstehen.
    ps: mittlerweile, wo ich mehrere stotterer kenne, bewundere ich immer noch diese, die einfach drauflosplapper und nicht versuchen ihr stottern zu verstecken. zu denen gehöre ich leider noch nicht. aber ich arbeite dran.
    Liebe grüße

  • Du bist sehr sensibel. Nicht das Stottern musst Du akzeptieren sondern endlich, endlich, endlich Deine so feinen, nach Achtung und Anerkennung, Bestätigung und Bestärkung und mehr desgleichen völlig ausgehungerten Sprech- und PersönlichkeitsTALENTE. Von Deinen Befürchtungen werden sie nicht satt. Dass Du Dich für sie schämst - für solch feine, hoch intelligente, nur eben geschwächte und im Stich gelassene Kräfte, die ganz anders könnten - macht es ihnen schwer, etwas für Dich zu tun. Um das Stottern machst Du Dir Sorgen und steckst Deine ganze Energie hinein und Deine wichtigsten Kräfte lässt Du links liegen. Wie ungerecht!!!!!
    Wenn ich mit Dir so umginge, Du wärest empört. Du gehst mit Dir so um. Ich finde, das hast weder Du noch Deine so feinen Talente verdient.
    Wie sollen andere mit Dir ohne Brüche umgehen können, wenn Du selbst Dir nicht treu bist und immer wieder mit Dir brichst?
    Du bist mitnichten mit dem Auftrag, Deinen Gefängniswärter zu spielen, auf diese Welt gekommen.
    Du bist der Chef aller Deiner Kräfte.
    Die Aufgabe des Chefs ist es, a) Ziele und Aufträge zu geben und b) seine Fachkräfte anzuerkennen, zu motivieren. zu stärken und ihnen zu sagen, wie wichtig sie sind.
    Du machst ständig das Gegenteil. Logischerweise ist auch Dein Ergebnis dann das Gegenteil. Also: kehre um!
    Hör endlich auf, Deine Talente dermaßen schlecht zu behandeln! Sie haben es nicht verdient. Werde ein guter, fürsorglicher Chef!
    Du brauchst keine Mauer zu durchbrechen. Du brauchst nur endlich GUT ZU DIR SELBER SEIN.
    Deine Talente sind dafür da, Deine Probleme zu lösen. Das ist ihr Lebenssinn. Sie brauchen aber Deine Stärkung, Deinen Auftrag, Deinen Rückhalt dafür.
    Wenn Du ständig alles allein und ohne sie machen willst, können sie Dir nur frustriert zuschauen, wie Du es ihnen damit vermasselst. Und Dich erschöpfst.
    Man hat uns ja allen nicht gezeigt, welch entscheidende Rolle unsere FEINEN Kräfte spielen, und wie wir FEIN mit ihnen umgehen müssen.
    Überall erschöpfen die Leute ihre begrenzten bewussten Kräfte und sind verzweifelt, weil sie nicht ausreichen.
    Und die unbegrenzten Kräfte in uns müssen uns bei dieser Dummheit zuschauen.
    Sie sind genau dafür da, diese Probleme zu lösen. Wir müssen nur endlich GUT mit ihnen umgehen, dann klappt es.
    Ein praktischer Schnellkurs darin ist sicher Coués kleines Buch über Autosuggestion. Den tät ich mit mal anschauen.
    Guten Erfolg!
    Franz Josef Neffe

  • Nicht umsonst sagt der Volksmund "Ratschläge sind auch Schläge".


    Ratschläge werden vor allem als unangenehm empfunden, wenn sie dem Empfänger einen Mangel unterstellen.
    Dieser Effekt verstärkt sich, wenn der Ratschlag ungebeten kommt.


    Ungebetene Ratschläge kann man abwehren, indem man dem klugen Spender den Ball zurückspielt,
    zum Beispiel die Gegenfrage:
    Glaubst Du nicht, dass ich darüber noch nicht nachgedacht habe ?


    Oder man bedankt sich für den Rat und lobt den Ratgeber - fügt dann aber hinzu, dass man daran auch schon gedacht habe.
    Mit dieser Deeskalationstechnik bremst man ihn, ohne ihn vor den Kopf zu stoßen.


    Wenn jemand zum Beispiel von Problemen erzählt, sollte man sichergehen, dass er tatsächlich einen Ratschlag will.
    Denn oft genug möchte er sich nur aussprechen.
    Um das zu klären, sollte man ihn einfach fragen.


    Aber auch ein ungefragter Ratschlag lässt sich vermitteln, ohne den anderen vor den Kopf zu stoßen.
    Wenn man einen Ratschlag gibt, ist der "Ich-Bezug" wichtig.
    Denn solange ich bei mir selbst bin und von meinen eigenen Gefühlen spreche,
    kann ich den anderen nicht verletzen, weiß der Psychologe.


    "Nimm niemals einen Rat entgegen, wenn Du nicht gefragt hast"
    lautet einer der Ratschläge,
    die der verbannte italienische Politiker Niccolò Machiavelli (1469 - 1527) dem Fürsten seiner Heimatstadt Florenz gab
    - ungefragt -

    Popeln ist nicht der richtige Weg in sich zu gehen.
    Spreche langsam, aber denke schnell.

    Einmal editiert, zuletzt von Christoph ()

  • Hallo!


    Ich kann Dein Problem sehr gut nachvollziehen, weil es mir sehr ähnlich geht: Ich habe als Kind gestottert und bin natürlich auch gehänselt worden. Im Laufe der Jahre (ich bin jetzt 34 Jahre alt) hat sich das Problem deutlich gebessert, sodass es auch den wenigsten Leuten auffällt und auch selbst Freunde total überrascht sind, wenn ich mich doch mal "oute".


    Aber trotzdem ist das Problem häufig noch da, wenn ich z.B. in lauter Umgebung und schnell (z.B. beim Bäcker im Bahnhof, o.ä.) reden muß. Objektiv gesehen stottere ich meistens nur an Satzanfängen und meistens nur in Gegenwart fremder Personen. Auch am Telefon ist es übel. Subjektiv ist das Problem jedoch viel größer. Ich könnte mich jedes Mal ohrfeigen und bin lange Zeit noch verärgert über mich selbst. Obwohl ich kein schlimmer Stotterer bin, drehen sich 80% meiner Gedanken ums Reden. Und das ist vielleicht das größste Problem (vielleicht auch Deins?): Der ewige Versuch, das Stottern zu vermeiden und bloß nicht aufzufallen zu versuchen. Bei mir ist es so, dass die Vermeidungsstrategie viel mehr Kraft in Anspruch nimmt als das Sprechen selbst.


    Daher versuche ich jetzt (z.B. mit autogenem Training) das Stottern zu akzeptieren. Ich will es gar nicht abschalten (das wäre unrealistisch), sondern akzeptieren. Damit wäre mir schon sehr geholfen. Und manchmal klappt es auch ein bißchen... ;-)


    Wie geht es Dir? Was denkst Du dazu?


    Viele Grüsse, V.


    P.S.: Und auf manche guten Ratschläge kann man auch gut verzichten...

  • ewiges verstecken


    ich bin mittlerweile 44 und ich erkenne mich total in dem wieder,was du geschrieben hast,
    nicht nur als ich auch noch 20 war,sondern auch heute noch,nur sehr wenige,innerhalb meiner familie wissen,dass
    ich stottere,vor den meisten "verstecke" ich es und das ist nicht leicht und macht mich traurig,aber ich kann mein stottern NICHT akzeptieren,spreche auch in größeren gruppen sehr wenig,auch bei meinen arbeitskollegen bin ich sehr ruhig,obwohl ich oft etwas zum gespräch beitragen möchte,ich tu es nicht,weil ich nicht möchte,dass sie es wissen,
    mir ist es lieber,dass die menschen denken,ich wäre kein geselliger mensch,als dass man von mir weiß,dass ich stottere,
    das hilft mir nicht wirklich weiter,das weiß ich,aber ich verstecke mein stottern schon so lange und ich weiß,dass ich das nicht ändern werde,aber ich finde es schön,hier in dem forum immer wieder zu sehen,dass es auch viele stotterer gibt,die damit besser klar kommen als ich


    lg Gabriela

  • Hallo.


    Ich kann das Problem auch verstehen,ich bin in etwa derselbe Vermeidungstyp.
    Als Kind hatte ich damit auch nicht die geringsten Probleme,im Gegenteil,ich war in der Schule und privat offen,selbstbewusst usw.Demzufolge gab es auch nie ein Mobbing bei mir.Selbst hatte ich mir nie was daraus gemacht,auch war meine Sprachstörung nicht schwerwiegend,sondern nur von geringem Gewicht.
    Freunde,Beziehungen,alles war kein Thema,bis sich eines Tage nach symptomfreier Zeit,als Erwachsener die Symptome wieder rückmeldeten.
    Dann ging das Dilemma los.
    Es hat bestimmt 4J. gedauert bis ich mir das eingestanden habe,aber abgefunden,bzw. angenommen,habe ich es bis heute nicht.
    Vermieden hab ich ab da sofort.
    Es durfte ja niemand merken.
    Am Anfang nur einige Wörter,das steigerte sich dann.
    Das Ende vom Lied ist,dass das irgendwann an die Psyche geht.
    Depressionen,generalisierte Angststörungen sind keine Seltenheit.
    Bei mir geht die Vermeidung so weit,dass ich meine ganze Art,mein ganzes Verhalten auf Abwehr umgestellt habe,sodass man mich schon im Vorfeld erst gar nicht anspricht.
    Viele denken ich habe was gegen Sie,könne Sie nicht leiden oder wäre eingebildet,deswegen findet man auch keine Freunde mehr,von einer Beziehung ganz zu schweigen.
    Selbst wenn keine unmittelbaren Sprechsituationen anstehen,spiele ich trotzdem immer und immer wieder gedanklich etwaige Situationen durch die kommen könnten,was in Grübeln ausartet und schlaucht.
    Kommt eine Situation unterbinde ich das meistens schon im Vorfeld,indem ich in die entgegengesetzte Richtung gehe o.Ä.
    Irgendwie kommt man sich vor als wäre man auf der Flucht,deswegen läuft auch arbeitsmäßig seit langem nichts.
    Sich Vorsätze stellen fürs nächste Jahr habe ich schon vor Jahren aufgegeben,es wurde eh nie was daraus.Erwartet man nichts,kann man selbst nicht enttäuscht werden.
    Mein Therapeut hat mir jetzt mal einen Tipp wegen eines Medikaments gegeben,soll ziemlich gut sein und gibt es erst seit einigen Jahren.Das ist dann gegen Ängste,Unruhe,Depressionen usw. und heißt Lyrica.
    Ich werds mal testen



    Gruß :-)