Stotter-Therapie

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  • Hallo! Ich bin Sabrina und bin neu hier in diesem Forum. Ich stottere seit ca. meinem 10ten Lebensjahr und möchte endlich was dagegen tun. Zur Zeit bin ich Studentin und eigentlich ein sehr offener und lebenslustiger Mensch. Mit dem Reden hätte ich eigentlich nicht so die Probleme, wenn da nicht mein Stottern wäre. Selbst im Studium habe ich Angst etwas zu sagen obwohl ich schon oft hätte Fragen beantworten können. Ich hätte auch keine Probleme vor einem gefüllten Hörsaal ein Referat zu halten nur die Angst zu stocken und kein Wort herauszubekommen schreckt mich wahnsinnig ab und es ärgert mich maßlos dies nicht tun zu können. Ich bin auch innerlich oft angespannt und denke mir schon vorher, wenn ich z.B. auf ne Party gehe oder Vorlesungen habe:"Hoffentlich spricht mich keiner an". Ich steigere mich regelrecht in diese Materie rein und möchte aus diesem Teufelskreis endlich rauskommen. Ich möchte gerne nach meinem Studium Steuerberater werden und würde gern neben meinem Studium ein Praktikum machen, dass ich ja brauche, um das Steuerberater-Examen ablegen zu können aber ich traue mir nicht das Telefon in die Hand zu nehmen und bei einem Stuerberater anzurufen und nachzufragen. Es ist furchtbar. Nun meine Frage: Ich würde gerne mal an einem Schnuppertag im Stotterer-Training teilnehmen. Ich komme aus der Nähe von Braunschweig und weiss überhaupt gar nicht wo überall Stotter-Trainings stattfinden. Gibt es in der Nähe von Braunschweig evtl. welche? Vielen Dank im voraus

    Gruss
    Sabrina

  • Hallo Sabrina,,
    vergleichbare Ängste habe ich auch. Ich befinde mich in eienr Weitebrildung zum Lebensmitteltechniker. Dort muss ich häufig Referate halten, zuletzt vor einem Fachpublikum und verschiedenen Schulklassen (300 Personen).
    Ich hatte früher einen handweklichen Job, wo man nicht viel reden musste (Bäcker). Ich hab mir einfach nicht zugetraut, irgendeine Arbeit zu machen, wo man Sprechen, Kommuniziere, Telefonieren muss. Zu sehr hatte ich sowas mein ganzes Leben lang gemieden.
    Dies führte natürlich dazu, das sich mich ständig grämte und depressiv wurde, bis ich irgendwann entschied, dass ich so nicht weitermachen kann. Es kann nicht sein, dass ich mein gesamtes Potential vor die Hunde gehen lasse.
    Dann habe ich +stottern+forum in google eingegeben, war kurz auf dieser Seite und 8 Tage später hab ich mein erstes Training mitgemacht.
    Ich will nicht sagen, dass ich nach dem ersten Training geheilt war - aber ich habe danach nie wieder so gesprochen wie zuvor. An Tagen, wo ich heute unzufrieden bin spreche ich immer noch um 70% besser als einst.
    Was schön ist, das ist einfach der Spass am Reden. Mittlerweile sprech ich alle netten Frauen auf einer Party an oder halte hier oder da ein Schwätzchen mit Menschen, die man irgendwo zufällig trifft (Warteschlange oder so). Ich nenne das einfach "easy living".
    Natürlich hab ich auch noch Bedenken und Sorgen - in 2 Monaten bin ich Techniker und muss mich dann beruflich in leitender Position etablieren. Alleine schon die Vorstellungen von Vorstellungsgesprächen auf höheren Niveau (2 Stunden Interview) gefallen mir garnicht. Aber ich sage mir auch: Wenns nicht kribbelt, dann spürt man nicht, dass man lebt.

    Trainings finden nur in Witten und in Schönbrunn unten im Schwarzwald statt. Ich habe während meines ersten Trainings in Witten der Jugendherberge in Hagen gewohnt, hatte aber den Luxus eines Autos. Für einen Schnuppertag (oder Schnupperwochenende wie angeboten) könnte man evtl. auch in dem Hotel übernachten, in dem das ganze stattfindet.
    Du schreibst, du stotterst erst seit deinem 10. Lebensjahr, heisst das, davor warst du Flüssig? Dann würd ich nämlich denken, dass du einen Fliessendsprechenden Kern mit hohem Potential in die trägst. Ich zum Beispiel hatte NIEMALS flüssig gesprochen.

    Beste Grüsse, Matze

    Einmal editiert, zuletzt von Matze B. Goode (6. April 2006 um 10:45)

  • Hallo Matze! Schön, dass Du mir so schnell geschrieben hast! Freut mich. Ich würde sagen, dass es seit meinem 10ten Lebensjahr aufgetreten ist. Aber genau kann ich es nicht sagen. Es gibt aber auch weiter keinen in meiner Familie der stottert. Ich glaube auch, dass ich mich mit allen zu sehr unter Druck setze. Z.B. muss ich nachher zur Bank. Da überlege ich jetzt schon, was ich am besten sage, damit ich nicht anfange zu stottern. Und genau das ist es, was einem erst richtig zum stottern bringt und genau dieses Gefühl und diese Gedanken möchte ich loswerden. Gibt es vielleicht noch andere Möglichkeiten, die ich ausprobieren könnte?
    Ich glaube, ich wäre wirklich ein glücklicher Mensch, wenn ich dieses Laster endlich loswäre.

    Gruss
    Sabrina

  • Hallo Sabrina,
    genau das sind so die Situationen. Vielleicht mal als Beispiel: Ich spreche super, wenn ich angerufen werde, weil die Situation spontan ist. Ich hatte keine Zeit, mir Angst zu machen. Dagegen hab ich Probleme, wenn ich jemanden anrufe. Ich plane mein Gespräch, tiger hin und her, verschiebe das Telefonat, warte noch ein Stündchen, überleg nicht doch besser einen Brief zu schreiben. Das ganze mach ich solang, bis ich die Windeln so richtig schön voll hab.

    Wenn ich zur Bank müsste würde ich einfach hingehen und wenn ich stottere, dann stottere ich halt. Aber ich würde mir niemals mehr mein Lächeln davon wegnehmen lassen. Ich würd zur Bank fahren, würde sagen: Ich bin Stotterer und brauche etwas Zeit. Stottern ist ein charmantes Detail meiner Persönlichkeit, aber wenn mich Leute beschreiben, dann würden sie eher meine Begeisterungsfähigkeit, meine Leidenschaft für bestimmte Hobbys,meien Schwäche für Döner Kebap, meine Verbissenheit an technischen Lösungen oder meine chronische Gabe, 2-3 Minuten zu spät zu kommen erzählen.

    Versuch mal zu soeinem Probewochenende zu kommen. Es ist jedesmal das Gleiche - eingepuppte Raupen kommen angekrochen und hübsche Schmetterlinge fliegen nach Hause.

    Du bist auch ein hübscher Schmetterling, dafür wird das Trianing schon sorgen :)

    Grüsse, Matthias