Ich bin allein… ich war allein mit mir und meinen, trüben, Gedanken. Die ersten 10 Jahre meines Lebens verbrachte ich in Schweigen, in Unwissenheit. Niemand schien es zu bemerken, niemand schien es zu stören dass ich irgendwie anders war. Dass sich mein Gesicht verkrampft wenn ich spreche, dass mein Atem stockt und ich keinen laut herausbringe wenn ich rede. Ich nahm solange keine Notiz davon, solange Keiner Notiz davon nahm, solange mich keiner darauf ansprach was ich den hätte. War da überhaupt was? Die ca. 4 Jahre des Glücks, die unüberlegte Weise des Kindseins. Erst als ich mich umschaute und es langsam sah, dass es nicht mehr langte nur zu toben und ins blaue hinein zu leben, da begriff ich: Ich bin ein Stotterer! Oh mein Gott… Wieso war ich nicht so wie die andern? Wieso konnten sie sagen was sie wollten und ich musste mich für fast jedes Wort quälen? Während diese Gedanken sich festigten immer mehr in mein Bewusstsein drangen, fingen einige Menschen an mich wegen meines Stotterns schräg anzusehen.. sicher, damals gab es dass auch schon doch ich verstand nicht was diese Menschen wollten da auch meine Freunde nicht verstanden was dies bedeutete. Langsam begann mein Kopf, mein Kontrollsystem, mir zuzuflüstern: „ HALTS MAUL DU BISTE DER LETZTE DEPP SAG LIEBER NICHTS!!“ Als ich mich an den Gedanken gewöhnt hatte begann ich automatisch mein Leben danach auszurichten. Ich wollte nicht mehr reden! Kommunikation ist HORROR! Ich begann jene Menschen zu hassen die mich etwas fragten, vor allem die, die noch nichts von meinem Problem wussten. Ich hasste die Frau beim Bäcker, meine Lehrer, freundlich lächelnde Menschen die sich fragend abwandten als ich ihnen keine Antwort gab und wütend aussah. Der Abstand zwischen mir und der restlichen Welt nahm andere Formen an. Ich sagte nichts wenn ich nicht wirklich musste, und dann war die einfachste Antwort immer:“ Keine Ahnung!“ Leiber sollten sie mich für dumm halten als zu merken das ich stottere. So lebte ich also ca. 8-9 Jahre lang. Tag ein tagaus dachte ich nur daran:“ Oh nein, Schule da muss ich reden! NEEIN einkaufen da muss ich reden! Oh nein meine Eltern sie wollen wissen wie es in der Schule war---- usw.! Für positive Gedanken war kaum Platz, da man ohne reden einfach nichts machen kann außer PC spielen und Fernseher schauen… Eigentlich will ich raus in die Natur, mit Freunden quatschen und Schabernack treiben…trotzdem entwickelte ich eine starke Vorliebe für diese Medien! Es war meine Lieblingsbeschäftigung.. ach Spaß haben ohne zu reden = PARADIES! So existierte ich halblebig vor mich hin bis ich nun von dem Stotterer Training hörte… Ich wollte es von mir aus machen da ich nicht mehr so leben wollte… Gesagt getan! Meine Mutter, natürlich, rief also an um mich anzumelden.
Ich fuhr an dem nächsten Termin also zum Eschbachhhof in Schönbronn. Als ich dort ankam zeigte mir Diepam mein Zimmer in dass ich mich prompt zurückzog. Meine Gedanken waren: „Oh Nein…. Es geht los.. ich muss reden.. gleich kommt dieser Sprachlehrerl und will dass ich rede… Ich kann das NICHT!! “Nach erster Überwindung und der Frage was ich überhaupt hier mache, merkte ich nach schon 1 ½ Tagen:“ Geil hier bin ich richtig alle sind so wie ich… alle sind aus demselben Grund da.. alle sind wie ich!“ Ich fühlte mich sauwohl. Ganz zu schweigen von dem Gefühl nach der ersten Woche. Ein Abchlussvideo ohne Block. Ich fuhr nach Hause. Als ich das gesamte Training Revue passieren ließ, musste ich eine halbe Stunde lang hemmungslos weinen… vor Glück!!! Mein Freunde empfingen mich, wider erwarten, wie immer. Als ob sich nichts verändert hatte. Da fiel der Groschen. Ich mache das Training für mich! Es machte mich glücklich. Meine mündlichen Noten retteten mir zum ersten Mal in meinem Leben eine Note, geschweige denn von den Situationen wo ich meinen Kommentar zum besten geben konnte. Nach 1 ½ Wochen war der Segen wieder weg… aber ich wusste zum ersten Mal: ICH BIN ICHT ANDERS ALS ALLE ANDEREN… ICH KANN FLÜSSIG SPRECHEN WENN ICH WILL! Dies Gefühl trieb mich in jedes Training das im Eschbachhof stattfand. Im Sommer 2005 hatte ein dann ein Hoch. Ein Monat ohne Block und nachdenken ob es geht. Heroin für die Nerven. Nun ist es leider nicht mehr so gut. Aber ich störe mich gar nicht mehr daran. Denn ich weiß: „Wenn ich dranbleibe werde ich es endgültig schaffen!“ An dieser Stelle danke an alle die mich im Training unterstützt haben.. und vor allem DANKE HANS, THOMAS und ANNETTE für diese neue Art zu Leben die soviel Spaß macht wie nichts anderes. Was täte ich nur, wenn ich nicht reden könnte. Es macht mehr Spaß als alles andre.. vor allem dann wenn man es noch nicht solange kann.