Nein, davon ist auch nicht die Rede, Bernd. Das Atmen ansich hat mit dem Stottern nichts zu tun, die Veränderung des Atmens kann nur als Symptom gesehen werden. Man kann den Atem aber zur Wahrnehmungslenkung benutzen, um die Symptome zu reduzieren. Das gelingt im Einzelfall mehr oder weniger gut.
Um mehr Kraft in der Stimme zu entwickeln, ist die Zwerchfellatmung ziemlich wichtig und hilfreich. Das sagt dir jeder Gesangslehrer. Die Zwerchfellatmung kann man entweder über das Zwerchfell selbst aktiver gestalten - dann spricht man auch von Bauchatmung - oder die Muskulatur des Brustkorbs wird dazu benutzt - dann spricht man von Flankenatmung. Beides - oder besser noch beides in Kombination - bringt Verbesserungen des Atmens mit sich und kann so zu einer festeren, kräftigeren Stimme führen, was sich wiederum zu Gunsten eines besseren Sprechfluss auswirken kann.
Damit ist das Stottern aber nicht nicht besiegt. Hinzu oder zuvor kommen die aufrechterhaltenden und verstärkenden Einflüsse, die sich in der Psyche und/oder dem sozialen Umfeld des Stotternden abspielen Über die Ursachen des Stotterns gibt es Untersuchungen, Theorien und Meinungen, die genetische Komponenten als Erklärungsmodell nicht ausschließen.
Fakt ist jedoch, wenn man sich auf den Atem konzentriert - ich meine wirklich 100%-ig konzentriert -, dann geht das Sprechen fast wie von selbst. Diesen Ansatz nutzen viele. Man denke z.B. an die Formel von Roland: "Ich spüre meinen angenehm kühlen Atem."
Es gibt aber auch erfolgreiche Ansätze, die gänzlich darauf verzichten, mit dem Atem zu arbeiten. Viele Wege führen nach Rom, alle haben eines gemeinsam: Sie bringen dich nicht ans Ziel, wenn man nicht einen Fuß vor den anderen setzt. Jetzt könnte man sagen, so einfach ist das. Ja, es ist in der Tat einfach - aber nicht leicht. Geduld, Disziplin und Wille sind maßgeblich für den Erfolg. Bei jeder Therapie.
@ Blue: Versuch mal, Dich beim Sprechen auf das Atmen zu konzentrieren und vergiss dabei alles andere, selbst das, was Du sagen möchtest. Klingt vielleicht komisch, alles vergessen, aber beim Singen kennt man ja auch seinen Text und man konzentriert sich auf Rhythmus und Melodie. Und siehe da, ... Erwarte aber nicht zu viel, nimm es eher als Tipp als als eine Lösung.
Liebe Grüße
Hans