Beiträge von Hans

Kostenlos: 5 Übungen gegen Stottern

Mit unseren erprobten Übungen lernst Du, Dein Stottern zu reduzieren – kostenlos und von zuhause.

Jetzt anmelden und sofortigen Zugang zu den Übungen gegen Stottern erhalten.

    Meditations-Basics (nach Hans Liebelt :D )

    1. Morgens nach der morgendlichen Toilette, vor dem Frühstück
    2. Vor dem Mittagessen

    Wenn Stresszeiten sind, ruhig noch ein weiteres mal am Nachmittag. Wenn Du viel Stress hast oder schnell etwas lernen musst (gut für Schüler und Studenten etc.), dann versuche folgenden Rhythmus:

    Eineinhalb Stunden lernen (arbeiten), dann 15 Minuten meditieren ... Eineinhalb Stunden lernen (arbeiten), dann 15 Minuten meditieren ... Eineinhalb Stunden lernen (arbeiten), dann 15 Minuten meditieren ... usw.

    Es wirkt Wunder! Im Endeffekt spart man enorm viel Zeit!!!!!

    Let's try!

    Liebe Yvonne!

    Besser ist jeden Tag zwei mal! Der Grund: In den ersten 20 Minuten baust Du den Stress des Tages ab, in den zweiten die negativen Einflüsse des Vergangenen!

    Phasen des "Überwindenmüssens" sind normal und menschlich. Ich kenne diese Zeiten sehr gut. Auch ich habe einen inneren Schweinehund, der täglich trainiert werden will. Du bist schon weit gekommen. Pass auch Dich auf und ...

    ... halte die Fahne hoch, liebe Yvonne! :D

    Lieber Dicimania!

    Vielleicht kannst Du in den Ferien mal einen kleinen Abstecher nach Deutschland machen. Mit dem Geld werden wir schon klar kommen. Mach Dir darüber keine Gedanken. Mach einfach mal beim Gewinnspiel mit (Startseite https://www.stop-stottern.de/www.stotterer-training.de). In diesem Quartal haben noch nicht so viele Leute mitgemacht, so dass Deine Chancen sehr gut stehen :D. Wenn Du nicht gewinnen solltest, gibt es hier im Forum sicherlich Leute, die Dir einen Teil der Kosten spenden würden. Den Rest spende ich Dir. Hauptsache, ein so netter und engagierter Mensch wie Du, kriegt eine Chance, sein Leben in den Griff zu bekommen.

    Also, worauf wartest Du???????

    Hans
    :D :D :D

    Habe ihn gefunden! :D

    Lieber Hans!

    Bitte entschuldige, dass ich Dir erst jetzt schreibe. Ich wollte jedoch erst mein Schulpraktikum abwarten, denn davor hatte ich immer die größte Angst: 3 Wochen an einem Gymnasium in verschiedensten Klassen hospitieren und am Ende sogar eine Stunde selbst halten – der blanke Horror (nicht nur für Stotterer)! Jetzt, nachdem diese 3 Wochen hinter mir liegen, muss ich aber sagen, dass meine Angst völlig unbegründet war, ich sogar gerne noch länger Lehrer gespielt hätte. Die Schüler behandelten mich mit Respekt, die Kollegen nahmen mich herzlich auf und in den letzten Tagen durfte ich sogar drei Unterrichtsstunden (zwei Musik, eine Deutsch) in der 9. Klasse geben. Stottern während des Unterrichts? – Keine Spur! Im Gegenteil: Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich wirklich frei gesprochen und dabei sogar Spaß gehabt. Ich bin aufrichtig froh darüber, weiter in Leipzig Lehramt studieren zu können, und Dir, lieber Hans, dafür unendlich dankbar. Ohne Dein Training und die aufbauenden Worte der übrigen Kursteilnehmer würde ich jetzt vielleicht irgendwo in der Provinz eine Lehre anfangen und an der Perspektivlosigkeit und Enge zugrunde gehen. Dank euch darf ich nun weiterhin die Vorteile der Großstadt genießen, habe endlich ein gesundes Selbstvertrauen und lege nur noch selten Wert auf das Urteil anderer. Meiner Schwächen bin ich mir zwar noch immer bewusst, doch kenne, schätze und nutze ich jetzt auch meine Stärken, bin viel ausgeglichener, und – was ich als das Wichtigste erachte – mit mir zufrieden. Lieber Hans, ich freue mich auf die Zukunft und wünsche Dir und Deinen Schützlingen alles Gute! Mache weiterhin Menschen durch Deine Arbeit glücklich!

    Mit freundlichen Grüßen

    Stefan Wolf

    Hallo, Bännie!

    Willkommen im Forum! Es war tatsächlich vor nicht langer Zeit ein Lehramtsanwärter im Stotterer-Training. Er kommt aus den neuen Bundesländern und ist ein wirklich netter Mensch. Von ihm habe ich eine Mail bekommen, die für Dich lesenswert wäre. Morgen schaue ich mal nach, wo diese sich in den Untiefen meiner Festplatte befindet.

    Ich glaube, es war der Stefan aus Leibzig. Ich gebe Dir mal seine E-Mail wolf.stefan@gmx.net. Er hat sicher nichts dagegen, wenn Du ihm eine Mail schickst.

    So, erst mal war's das für heute. Ich wünsche Dir viel Spaß und Nutzen mit dem Forum, einen angenehmen Tag und sage bis später!

    Hans

    B. Der Stotter-Block

    Nachfolgend erläutere ich, wie die Valsalva-Einstellung zu kräftigen Stotter-Blocks führen kann.

    Stellen Sie sich vor, Sie seinen zu einem Abendessen eingeladen und wollen jemand bitten, Ihnen die Kartoffeln (potatoes) zu reichen, die am anderen Ende des Tisches stehen. Wenn Sie flüssig sprechen können, würden Sie einfach sagen: “Bitte geben Sie mir doch die Kartoffeln.” (“Pass the potatoes, please.”) Ihre Muskeln im Brustkasten und das Zwerchfell würden sich entspannen und einen sanften Luftstrom durch Kehlkopf und Mund freigeben. Um das “ P ” zu artikulieren, würden sich Ihre Lippen schließen, für einen Moment den Luftstrom unterbrechen, sodass ein kleiner Luftstrom entsteht. Danach würden sich die Lippen entspannen und ein kleiner Luftstoß freigegeben, das ist dann das hörbare “ P ”.

    Wie wissen die Lippen, wann sie sich öffnen sollen? Eine mögliche Erklärung ist, dass das Ansteigen des Luftdrucks von druckempfindlichen Nerven wahrgenommen wird (mechanische Rezeptoren), die sich im unteren Teil des Kehlkopfs und entlang der Atemwege befinden. Diese senden Impulse an das Gehirn und informieren so über die Höhe des Luftdrucks. Sobald genug Luftstau entstanden ist, signalisiert das Gehirn den Lippen, dass sie den Luftstrom freigeben sollen. Das ist dann das, was vorgesehen ist. Aber was könnte entsprechend der Valsalva-Hypothese falsch laufen?

    Zunächst einmal setzen wir voraus, dass Sie in letzter Zeit bei “ P ” einen Block hatten. Wenn vorhersehbar ist, dass ein Wort mit “ P ” kommt, erwartet Ihr Gehirn, dass es schwierig sein wird, dieses Wort auszusprechen. Das Gehirn entscheidet, dass zusätzliche Anstrengung notwendig ist und löst den Valsalva-Mechanismus aus. Alle Nerven und Muskeln sind nun auf den Valsalva-Mechanismus vorbereitet, sodass das Valsalva-Manöver ausgeführt wird, sobald der auslösende Reiz über die Leitung kommt.

    Eine Art der Stimulation zu diesem Reiz könnte das Ansteigen des Luftdrucks sein, der normalerweise bei der Artikulation entsteht – z.b. wenn man die Lippen schließt, um ein “ P ” zu sagen. Dieser erhöhte Luftdruck würde für gewöhnlich den Lippen signalisieren, sich zu öffnen. Wenn jedoch der Valsalva-Mechanismus zu leicht ausgelöst werden kann, könnte genau das Gegenteil entstehen. Der höhere Luftdruck könnte als Beginn des Valsalva-Manövers missverstanden werden und damit den kompletten Valsalva-Mechanismus auslösen. Dadurch werden dann die Lippen stimuliert, sich noch fester zu schließen, um das Entweichen der Luft zu verhindern. Je mehr man dann seine Bauchmuskulatur anspannt und den Luftdruck erhöht, desto fester verschließen sich die Lippen. Plötzlich befindet man sich in einem Stotter-Block, der automatisch noch schlimmer wird, wenn man mit Anstrengung weiterkommen will.

    Ähnliche Blocks können stimuliert werden, und zwar immer dann, wenn beim Sprechen eine Behinderung des Luftstroms durch erhöhten Luftpressdruck bei den Lippen, der Zunge oder im Kehlkopf eintritt. Die Valsalva-Hypothese kann erklären, warum das Stottern oftmals weniger stark ist, wenn man mit “sanfter” Stimme spricht und mit “zarten” Kontakten bei der Artikulation – oder auch wenn man das Sprechen mit einem passiven Luftstrom beginnt. Solche Methoden führen zur Vermeidung plötzlicher Erhöhung des Luftdrucks und verringern dadurch die Wahrscheinlichkeit eines Valsalva-Manövers.


    C. Valsalva-Einstellung und Phonation

    Die Valsalva-Einstellung kann auch zu einem anderen Problem beitragen, das Stotternde haben – Schwierigkeiten oder Verzögerungen bei der Laut- und Stimmbildung (Phonation) – das Erzeugen stimmlicher Laute. Einige Fachleute vermuten, dass diese Verzögerungen den Sprechfluss behindern, dadurch zum Stottern beitragen.

    Schwierigkeiten bei der Laut- und Stimmbildung (Phonation) sind etwas, was oft übersehen wird. Wenn ich z.b. sagen würde: “p-p-p-p-potato”, würden die meisten Leute denken, dass ich Probleme mit der Aussprache des “ P ”-Lautes habe. Aber das ist offensichtlich nicht richtig, denn ich habe das “ P ” perfekt gesagt, sogar mehrere Male hintereinander. Mein wirkliches Problem war es, weiter zu dem folgenden Vokal zu kommen. Die Valsalva-Einstellung könnte das Problem sein.

    Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass vor dem durch den Kehlkopf erzeugten stimmlichen Laut ein anderer Prozess stattfinden muss – die vorstimmliche Einstellung. Wenn jedoch der Körper auf ein Valsalva-Manöver eingestellt ist, wird der Kehlkopf eher den Luftstrom verschließen und nicht darauf vorbereitet sein, Laute zu bilden. Daher kann es sein, dass, auch wenn der Kehlkopf sich nicht wirklich verschließt, die Stimmbildung verzögert wird, weil man gerade versucht, den Kehlkopf neu einzustellen, um den richtigen Laut zu produzieren.

    Das hilft auch verstehen, warum Stotternde gewöhnlich flüssig singen können. Haben Sie sich schon einmal gewundert, warum das so ist? Wenn wir singen, konzentrieren wir uns auf die Melodie und weniger darauf, die Worte herauszubringen. Darum ist unser Kehlkopf ununterbrochen auf Stimmbildung eingestellt und immer bereit, im richtigen Augenblick Laute zu bilden.

    V. Ursprung und anhaltendes Stottern

    A. Frühkindliche Sprechunflüssigkeit

    Nun zu den Überlegungen, wie die Reaktion zwischen Sprechen und dem Valsalva-Mechanismus angefangen haben könnte.

    Ich glaube nicht, dass der Valsalva-Mechanismus frühkindliche Sprechunflüssigkeit verursacht. Am Anfang ist die Sprechunflüssigkeit normalerweise mühelos und ohne Anstrengung, komplette Wortwiederholungen, ohne den Kraftaufwand und den Kampf, den man später beobachten kann. Diese Unflüssigkeiten können verschiedene Ursachen haben, wie z.b. verzögerte neurologische Entwicklung der sprachlichen Fertigkeiten, emotionaler Stress oder überzogene Anforderungen der Erwachsenen an gutes Sprechen. Die zugrundeliegenden Faktoren können bei jedem Kind andere sein.

    Eins jedoch ist immer gleich: Diese Faktoren scheinen das Sprechen schwieriger zu machen. Das Kind kann diese Schwierigkeiten als eine Art “mündliche Verstopfung” wahrnehmen. Weil beim Kind bereits das Valsalva-Manöver bei größeren Anstrengungen oder bei der Darmentleerung abläuft, vermutet es unbewusst, dass man Worte in gleicher Weise herausbringen kann.

    Dieses Zeigen der eigenen Anstrengung könnte auch die Art und Weise sein, mit der das Kind den Eltern sagen will: “Ihr könnt mich nicht wegen des Stotterns bestrafen. Seht doch, wie sehr ich mich anstrenge, damit Ihr zufrieden seid.”

    B. Der Valsalva-Stotter-Kreislauf

    Sobald der Valsalva-Mechanismus ins Spiel kommt, erhält das Stottern eine völlig neue Dimension. Bald schon ist das Kind in einem richtigen Teufelskreis gefangen, der das Stottern auch dann noch andauern lassen kann, wenn der eigentliche Grund für die Sprechunflüssigkeit gar nicht mehr gegeben ist. Ich habe das den “Valsalva-Stotter-Kreislauf” genannt. Wie könnte dieser aussehen?

    1. Schritt: Das Erwarten der Schwierigkeit.
    Es beginnt mit einer Erwartungshaltung oder einem Gefühl, dass das Sprechen schwierig sein wird oder dass bestimmte Worte schwer auszusprechen sind. Diese Einstellung kann unterschiedlichste Ursachen haben, je nach der eigenen Persönlichkeit und den Umständen.

    2. Schritt: Der Drang, es stärker zu versuchen.
    Weil man beim Sprechen Schwierigkeiten erwartet, meint man dann, dass weitere Anstrengungen nötig sind, um die Hindernisse zu überwinden. Unbewusst behandeln wir die Worte als wären sie “Dinge”, die man aus dem Körper heraus haben will, und zwar mit derselben körperlichen Anstrengung, die normalerweise vom Valsalva-Mechanismus unterstützt wird.

    3. Schritt: Valsalva-Einstellung
    Das Gehirn antwortet mit einer neurologischer Einstellung des Kehlkopfs und anderer Teile des körperlichen Valsalva-Mechanismus, um das Valsalva-Manöver auszuführen. Der Luftdruck wird erhöht, indem der Kehlkopf oder der Mund kraftvoll verschlossen werden, während die Brust- und Bauchmuskulatur auf den Brustkasten drücken und diesen in dem falschen Glauben einengen, dass dieses helfen kann, die Worte herauszuzwingen.

    4. Schritt: Vokalverzögerungen und kraftvolles Verschließen
    Wie vorher erklärt, kann es Probleme oder Verzögerungen bei der Laut- und Stimmbildung (Phonation) geben, weil der Kehlkopf neurologisch mehr auf das kraftvolle Verschließen als auf Phonation eingestellt ist. Die Valsalva-Einstellung kann zu extrem kraftvollem Verschließen von Mund oder Kehlkopf während der Artikulation führen, was dann in einem Block beim Sprechen endet.

    5. Schritt: Vermeidungsverhalten
    Beim Versuch, diese Blocks zu vermeiden, zu verschieben oder zu verstecken kommt es zu vielfältigem Verhalten. Das kann sein: Zögern, Wiederholungen, Gebrauch von Startern, Füllwörtern und andere unnötige Worte und Laute, Austauschwörter, Unregelmäßigkeiten beim Atmen, Zähneknirschen und andere Taktiken.

    6. Schritt: Mentale Reaktion auf das Stottern
    Man erklärt sich dann sein Stottern womöglich als Bestätigung seiner Erwartungshaltung, dass das Sprechen schwierig sein würde oder bestimmte Worte schwierig auszusprechen wären. Man denkt vielleicht: “Ich hatte Recht. Das war schwierig. Wenn ich es nicht so sehr versucht hätte, dann hätte ich es wohl nie sagen können. Nächstes Mal muss ich es noch mehr versuchen.” Man kommt dann zu dem falschen Eindruck, dass die Valsalva-Einstellung, der Gebrauch von Kraft und anderem Stotterverhalten zum Erfolg geführt haben, die Worte herauszubringen. Diese Auffassung kann dann die Erwartungshaltung und das Verhalten noch verstärken und das Stottern in Zukunft immer mehr begünstigen.

    Wenn man sich dann im Valsalva-Stotter-Kreislauf befindet, will man immer mehr mit Anstrengung erzwingen – und rutscht dabei immer tiefer hinein und umso schwieriger kommt man dann da wieder heraus. Man sitzt in der “Valsalva-Falle”.

    C. Auswirkung auf die Entwicklung des Gehirns

    Fortwährendes Verhalten dieser Art in der Kindheit kann bleibende neurologische Konsequenzen haben. Ständige Wiederholung des Valsalva-Stotter-Kreislaufs könnte die Bildung starker Nervenverbindungen zwischen Sprechen und dem Valsalva-Mechanismus zur Folge haben, während die Nervenbahnen für flüssiges Sprechen unterentwickelt bleiben.

    Auf diese Weise kann die Tendenz zum Verwechseln von Valsalva-Mechanismus und Sprechen chronisch im Gehirn eines Stotternden “verdrahtet” werden. Daher ist es nicht verwunderlich, dass jüngste Untersuchungen mittels PET-Scannern u.ä. ergaben, dass das Gehirn von Stotternden beim Sprechvorgang anders reagiert als das von flüssig sprechenden Menschen.

    VI. Valsalva-Kontrolle

    Das Verstehen des Valsalva-Mechanismus kann uns auch helfen, geeignetere Wege zu flüssigem Sprechen zu finden. Heutzutage wird man mit einer Vielzahl von konkurrierenden Therapien konfrontiert, Geräten, die das flüssige Sprechen begünstigen sollen und Sprechtechniken – vieles scheint dabei völlig verschieden und in ihrer Methode sogar entgegengesetzt zu sein.

    Nachdem ich alle diese Methoden analysiert hatte, kam ich jedoch zu einer überraschenden Schlussfolgerung: Der jeweilige Erfolg konnte bei jeder Methode durch die Wirkung erklärt werden, die sie beim Unterbrechen von einem oder mehreren Schritten des Valsalva-Stotter-Kreislaufs hatten. Auf verschiedenste Weise reduzieren sie bis zu einem gewissen Grad die Neigung des Stotternden, während des Sprechvorgangs den Valsalva-Mechanismus in Gang zu setzen. Leider scheinen die bestehenden Therapieformen relativ ineffizient und unvollständig zu sein, weil sie sich nicht direkt mit dem Valsalva-Mechanismus selbst befassen.

    Ich vermute, dass dieses Versagen, mit dem Valsalva-Mechanismus klarzukommen, ein Grund sein kann, warum man nach erfolgreichem Abschluss eines Sprechflüssigkeits-Trainings wieder rückfällig wird. Man aktiviert versehentlich den Valsalva-Mechanismus, während man “mit Nachdruck versucht”, die Technik einzusetzen. Wenn das geschehen ist, sind alle Versuche mit dieser Technik nutzlos. Plötzlich ist man wieder im Griff des Stotterns, ohne zu ahnen, wie das passieren konnte.

    Auf Grund meiner Nachforschungen habe ich versuchsweise mein eigenes Selbsthilfe-Therapieprogramm entwickelt, das ich “Valsalva-Kontrolle” nenne. Das Ziel ist die Kontrolle des Valsalva-Mechanismus durch den Einsatz psychologischer und körperlicher Mittel, um die Wahrscheinlichkeit zu reduzieren, dass dadurch Störungen unserer natürlichen Sprechfähigkeit auftreten. Ich habe eine Anzahl von Entspannungs-, Atem- und Sprechübungen entwickelt und angepasst, um den Valsalva-Mechanismus zu entspannen oder “in der Einstellung zu reduzieren”.

    Unter anderem lernte ich, Stotter-Blocks abzukürzen, indem ich meine Bauchmuskulatur entspannte und dadurch eher den Luftdruck verringerte als die Worte kraftvoll herauszubringen. Zusätzlich machte ich bestimmte Laut- und Stimmbildungsübungen um meinem Kehlkopf zu helfen, sich besser auf die Phonation einzustellen.

    Jeden Morgen begann ich den Tag mit einer halben Stunde Spezialtraining, um mich selbst richtig auf das Sprechen einzustimmen. Über mehrere Wochen besserte sich meine Sprechflüssigkeit immer mehr. Nach ein paar Monaten war diese Verbesserung dramatisch. Und mein Erfolg dauert jetzt schon 10 Jahre lang an.

    Diese Methode zur Valsalva-Kontrolle wird im Detail in meinem Buch -
    Understanding and Controlling Stuttering: A Comprehensive New Approach Based on the Valsalva Hypothesis - beschrieben.

    VII. Abschluss und Ausblick

    Die Ideen, auf die ich heute vielversprechend hingewiesen habe, müssen natürlich noch beträchtlich hinterfragt werden, bevor diese wissenschaftlich bestätigt werden können. Weiterhin ist klar, dass das, was mir hilft, nicht unbedingt “die Antwort” für jeden sein kann. Weil das Stottern so eine individuelle Angelegenheit ist, muss jeder Stotternde seine persönliche “Antwort” selbst finden.

    Dennoch meine ich, dass wir uns bei unseren Sprechversuchen durch das Verstehen des Valsalva-Mechanismus von viel Frustration und körperlichem Kampf befreien können. Meines Erachtens sollte das Ziel der Selbsthilfe nicht das Erreichen perfekter Sprechflüssigkeit sein – denn das ist unrealistisch, unnötig und letztlich selbstzerstörerisch. Stattdessen sollte meiner Meinung nach das Ziel sein, das Sprechen einfacher und angenehmer zu gestalten, so dass wir freier mit anderen Menschen kommunizieren und aufeinander zugehen können.

    Meine Einstellung in der Valsalva-Kontrolle ist, mein Sprechen nicht so angestrengt zu überwachen, sondern mich zu entspannen und Spaß am Sprechen zu haben.

    Zum Schluss noch ein paar persönliche Bemerkungen:

    Bei der Übersetzung habe ich viele persönliche Parallelen zu meiner Vergangenheit und zum Teil auch noch zu meiner Gegenwart gefunden.

    Die Auseinandersetzung mit diesem Thema, ließ in den letzten Wochen einige alte Stotterwunden wieder aufbrechen.

    Aber das war es mir wert. Ich musste wieder an meine Basis zurück und üben. Aber was soll´s.

    Nobody is perfect.

    Herzlichst

    Roland

    [Dieser Beitrag wurde von Roland Pauli am 17.12.2003 editiert.]

    Hallo, Dicimania!

    Ich habe was gefunden, das Deine Frage beantworten kann. Ich stelle es einfach komentarlos rein:

    Der Valsalva-Mechanismus

    Ein Schlüssel, das Stottern verstehen und kontrollieren zu können

    von William D. Parry
    Gründer, Bezirksleiter Philadelphia
    der National Stuttering Association

    Copyright 1997 – William D. Parry

    Englischer Originaltext im Internet unter: http://members.aol.com/wdparry/valsalva.htm

    Übersetzt von Roland Pauli
    Meinen Dank an alle, die daran mitgewirkt haben.


    Warum ist Stottern üblicherweise gerade dann am stärksten, wenn die Worte am wichtigsten sind? Dieser Artikel erklärt, wie eine natürliche Körperfunktion – der Valsalva-Mechanismus – unsere Sprechversuche in starke Stotter-Blocks lenken kann, die wir unbedingt vermeiden möchten. Es wird erläutert, wie uns eine Kombination aus physischen und psychischen Faktoren in einen “Valsalva-Stotter-Kreislauf” bringen kann – einen Teufelskreis, der Stottern verursachen und aufrecht erhalten kann, ebenso wie unsere Bemühungen, Sprechflüssigkeit zu erlangen, sabotiert werden.

    Dieser Artikel beruht auf einer Präsentation durch den Autor auf dem Weltkongress für Stotternde in Linköping, Schweden, am 29. Juli 1995. Es handelt sich um eine kurze Einführung in die “Valsalva-Hypothese”. (Weitere Informationen in: “Understanding and Controlling Stuttering: A Comprehensive New Approach Based on the Valsalva Hypothesis.)

    I. Vorwort

    Es ist mir eine große Ehre, dass Sie mich hier auf den Weltkongress in Schweden eingeladen haben, um zu Ihnen zu sprechen. Wie Sie wissen, komme ich aus den USA, wo ich Leiter des Bezirkes Philadelphia des National Stuttering Project bin. Von Beruf bin ich Rechtsanwalt. Die große Leidenschaft in meinem Leben ist das Geheimnis des Stotterns – seit meinem 4. Lebensjahr kämpfe ich hiermit.

    Viele Jahre habe ich mich einer großen Vielzahl von Therapien unterzogen – ohne bleibenden Erfolg. Etwa vor 15 Jahren hatte ich dann endgültig alle Therapien aufgegeben, um meine eigenen Forschungen mit diesem Problem voranzutreiben.

    Es war offensichtlich, dass mein Sprechmechanismus grundsätzlich in Ordnung war. Früher hatte ich auf der Hochschule Rhetorik-Unterricht genommen und gelernt, eine Rolle vor dem Publikum zu spielen, in der ich völlig flüssig sprechen konnte. In anderen Situationen schien es jedoch so, als ob eine starke Kraft mein Sprechen wie in einen Schraubstock zwängte und so meine Blocks verursachte. Mein Problem war weniger der Mangel an Fähigkeit zu sprechen, sondern vielmehr eine Störung meiner Sprechfähigkeit. Ich vermutete, dass diese behindernde Störung von Natur aus physisch war, aber wohl durch psychische Faktoren ausgelöst werden konnte.

    Nach eingehender Überprüfung medizinischer Literatur, Beratungen mit professionellen Forschern und persönlichen Experimenten glaube ich nun, die ursächliche Kraft hinter dieser Störung der Sprechfähigkeit gefunden zu haben. Es handelt sich um einen normalen Körpermechanismus, den wir täglich nutzen, ohne im geringsten darüber nachzudenken. Es ist der Valsalva-Mechanismus. Dieser Mechanismus besteht aus einer Gruppe von Muskeln im ganzen Körper, die neurologisch koordiniert sind und gemeinsam das Valsalva-Manöver ausführen.

    II. Das Valsalva-Manöver

    A. Demonstration

    Man kann das Valsalva-Manöver erleben, wenn man folgende Übung macht. Stehen Sie auf, krümme Sie Ihre Finger und verhaken Sie beide Hände vor dem Brustkasten zusammen. Atmen Sie tief ein. Versuche Sie jetzt, die Hände mit aller Kraft auseinander zu ziehen, aber ohne dieses tatsächlich zu tun. Ziehen Sie ganz stark.

    Was stellt man fest, während man zieht? Merken Sie, wie sich die Muskeln im Brustkasten und im Bauch anspannen? Und was spürt man in der Kehle? Merken Sie, wie sich Ihre Kehle verschließt?

    Wiederholen Sie die Übung noch einmal. Ziehen Sie mit beiden Händen wirklich sehr kraftvoll und versuchen Sie, das zu fühlen. Bemerken Sie, dass sich Ihre Kehle umso mehr verschließt, je stärker Sie ziehen? Dieses Verschließen findet genau dort statt, wo ihre Stimme produziert wird – im Kehlkopf.

    Jetzt noch einmal, aber nun beginnen Sie, indem Sie Ihre Lippen schließen und sich vorstellen, dass Sie ein “ P ” sagen wollen. Jetzt wieder die Hände so stark wie möglich auseinander ziehen. Was merken Sie an den Lippen? Spüren Sie, wie sich Ihre Lippen fest zusammenpressen?

    Jetzt schauen Sie einmal, was passiert, wenn Sie die Zungenspitze oben hinter die Schneidezähne nehmen und sich vorstellen, Sie wollen ein “ T ” sagen. Tief einatmen und fest ziehen. Spüren Sie, wie Ihre Zungenspitze stärker presst? Kommen Ihnen diese Kräfte bekannt vor?

    Sie haben das Valsalva-Manöver ausgeführt. Die Bezeichnung kommt von Anton Maria Valsalva, einem italienischen Anatomen, der von 1666 bis 1723 lebte. Obwohl diese Erkenntnis der Medizin und der Wissenschaft schon seit mehr als 200 Jahren bekannt ist, wurde dieses Wissen von Sprechtherapeuten fast komplett ignoriert.

    B. Die Funktion des Valsalva-Manövers

    Der Zweck des Valsalva-Manövers ist die Erhöhung des Luftdrucks in der Lunge, sodass man mehr Körperkraft entfalten oder etwas aus dem Körper heraus befördern kann.

    Es passiert Folgendes: Die Bauchmuskeln spannen sich an, pressen die Eingeweide und Organe in die Bauchhöhle, sodass sie nach oben gegen das Zwerchfell drücken – den kuppelförmige Muskel, der die Bauchhöhle vom Bereich des Brustkastens trennt. Das führt dazu, dass sich das Zwerchfell nach oben wölbt und den Brustkasten zusammenpresst. Bestimmte Muskeln in Brustkasten spannen sich ebenfalls an, um den Brustkorb nach unten zu drücken, was den Brustkasten noch mehr unter Druck setzt.

    Inzwischen hat sich der Kehlkopf entsprechend seiner neurologischen Programmierung fest um den oberen Luftweg geschlossen, damit die Luft aus der Lunge nicht entweichen kann. Je mehr die Bauchmuskulatur drückt, desto größer wird der Luftdruck in der Lunge, und umso fester schließt sich der Kehlkopf. Der Kehlkopf erfüllt damit eine seiner Hauptfunktionen, wozu er überhaupt vorhanden ist: den Anstrengungsverschluss.

    Wir alle kennen die andere Funktion des Kehlkopfs: die Laut- und Stimmbildung.
    Wenn im Kehlkopf die Stimmbänder über dem Luftstrom sanft zusammengebracht werden, entsteht der Klang unserer Stimme. Aber wenn der Kehlkopf während eines Valsalva-Manövers den Anstrengungsverschluss ausführt, dann verhält sich dieser ganz anders. Der gesamte Innenbereich des Kehlkopfs schließt sich fest, wie z.b. eine Faust, um dann den Luftweg vollständig zu blockieren. Wie man bei den Übungen merken konnte, können sich die Lippen und die Zunge ebenso verhalten. Wenn Ihre Lippen oder die Zunge zu Beginn eines Valsalva-Manövers den Luftweg blockieren, so werden diese Anstrengungen automatisch fortgesetzt, um den Verschluss zu verstärken, fester und fester, sodass die Luft nicht entweichen kann.

    Warum macht der Körper das? Der durch das Valsalva-Manöver in der Lunge erhöhte Luftdruck hilft uns, Körperkraft effizienter auszuüben. Haben Sie schon einmal bemerkt, wie ein Gewichtheber “den Atem anhält", wenn er sich anstrengt, um ein schweres Gewicht über seinen Kopf zu heben? Das ist ein Valsalva-Manöver. Der Luftdruck in seiner Lunge hält den Brustkasten und die Schultern fest und steif, sodass seine Arme eine kräftigende Unterstützung haben. Auf diese Weise kann er seine gesamte Energie auf das Heben des Gewichts konzentrieren. Anderenfalls würde ein Teil seiner Kraft verloren gehen, wenn Brustkasten und Schultern nachgeben würden.

    Das Valsalva-Manöver hilft uns auch, Dinge aus dem Körper zu befördern. Die bekanntesten Beispiele sind Stuhlgang, Urinieren und der Geburtsvorgang. Hierbei hilft der Luftdruck und stabilisiert das Zwerchfell, sodass die Bauchmuskulatur Dinge aus der Bauchhöhle besser herausdrücken kann. Zu Beginn des Stuhlgangs entspannen sich die Rektal- und Analmuskeln und die Stuhlausscheidung kann erfolgen. Wenn jedoch z.b. beim Heben von Gewichten der Stuhlgang nicht erwünscht ist, spannen sich diese Muskeln an, um zufälligen Stuhlabgang zu verhindern.

    Alle diese Muskeln sind Teil des Valsalva-Manövers. Sie sind über unser Nervensystem als “Team” miteinander verbunden. Sie sind neurologisch so koordiniert, dass sie sich gleichzeitig und auch im richtigen Kräfteverhältnis zueinander anspannen.

    C. Ähnlichkeiten mit dem Stottern

    Als ich vom Valsalva-Manöver erfuhr, fiel mir sofort die Ähnlichkeit mit den kraftvollen Verschlüssen auf, die während der Stotter-Blocks auftraten. Der Anstrengungsverschluss des Kehlkopfs fühlte sich genauso an wie das, was passierte, wenn ich bei einem Wort mit einem Vokal am Anfang einen Block hatte, wie z.b. bei “a-a-a-a-Ähre.”

    Um das zu untersuchen, ging ich zu einem Facharzt, der mit Hilfe von Fiberglastechnik in meinem Kehlkopf Videoaufnahmen machte. Tatsächlich stellten wir fest, dass beide Verschluss-Arten exakt gleich aussahen. Die kraftvollen Verschlüsse meiner Lippen und der Zunge waren mit meinen Blockaden bei Konsonanten identisch.

    Plötzlich erkannte ich, was ich die ganze Zeit während eines Blockes gemacht hatte: ein Valsalva-Manöver.

    III. Hinweise auf das Paradoxe beim Stottern

    Diese Erkenntnis ließ das Stottern in einem ganz anderen Licht erscheinen und veränderte mein Leben. Einige paradoxe Eigenheiten des Stotterns, die mich so viele Jahre besonders frustriert und verwirrt hatten, sind mir dadurch klar geworden.

    Zum Beispiel: Warum stottert man in einigen Situationen mehr als in anderen? Man spricht üblicherweise flüssiger, wenn man mit sich selber oder mit anderen Stotternden spricht oder wenn man Unwichtiges sagt. Das Stottern wird allgemein stärker, wenn man mit Autoritätspersonen spricht oder mit anderen Personen, bei denen man das Gefühl hat, ihnen gefallen zu wollen oder beeindrucken zu müssen. Wenn einzelne Worte exakt richtig ausgesprochen werden müssen, wie der eigene Name oder auch die Pointe bei einem Witz, schlägt das Stottern für gewöhnlich besonders hart zu.

    Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass ich es immer leichter fand, das falsche Wort zu sagen, was das auch immer war, als das präzise Wort, das am besten passte. Wenn das Telefon ging, konnte ich nicht einfach “Hallo” sagen. Um es richtig herauszubringen, musste ich “Ja, hallo” sagen. Aber eines Tages, als ich einen Anruf entgegennahm und den Telefonhörer gerade aufgenommen hatte, sagte der Anrufer am anderen Ende unverzüglich: “Hallo, ist dort Bill Parry?” Plötzlich konnte ich nicht mehr “Ja” sagen. Stattdessen musste ich sagen: “Hallo, ja, hier Bill Parry.”

    Das Valsalva-Manöver kann helfen, dieses zu erklären. Alle diese Beispiele betreffen Umstände, bei denen man meint, dass die Worte selbst besonders wichtig sind oder wir erwarten, dass das Aussprechen schwierig sein wird. Das sind genau die Momente, wenn wir meinen, dass eine spezielle Anstrengung nötig sein wird. Das wären dann genau die Momente, wo wir am häufigsten das Valsalva-Manöver aktivieren würden – was natürlich unbewusst geschieht, wenn wir uns anstrengen.

    Eine weitere paradoxe Seite des Stotterns ist der übermäßige Aufwand an Kraft und Anstrengung, den wir beim Versuch zu sprechen brauchen. Flüssiges Sprechen benötigt aber eigentlich sehr wenig körperlichen Einsatz. Die deutliche Aussprache von Worten wird durch sanfte Bewegungen der Lippen und der Zunge erreicht, die leicht berühren und sich dann schnell wieder entspannen. Im Gegensatz dazu pressen die Lippen, Zunge oder der Kehlkopf viel stärker und länger, als es zum Sprechen nötig ist. Paradoxerweise wird unsere Anstrengung, die Worte herauszubringen zu dem Hindernis, das wir eigentlich überwinden wollen.

    Ich selbst habe die meiste Zeit meines Lebens mit diesem Paradoxon gerungen. Zum Beispiel wusste ich, wenn ich mit meinem Auto fahren wollte, dass ich das Gaspedal bedienen musste – nicht auf die Bremse treten. Aber beim Sprechen war es exakt das, was ich tat – stärker und fester mit Lippen und Zunge pressen und dann sich wundern, warum es mit dem Sprechen nicht voranging. Egal wie sehr ich versuchte, die Nutzlosigkeit meiner Bemühungen durch Überlegungen zu erfassen, ich befand mich weiter in der Verlegenheit, keine Kontrolle darüber zu haben. Aus irgendeinem Grund hatte ich das Gefühl, dass Kraft und erhöhter Luftdruck das einzig Richtige waren, auch wenn ich beim Sprechen mehr Blocks als je zuvor hatte.

    Das Valsalva-Manöver löst dieses Rätsel. Es ist ein Körpermechanismus, der exakt das ausführte, was bei meinen Blocks passierte. Das Valsalva-Manöver könnte das Richtige sein, denn dieser ist unsere unbewusste Reaktion, wenn wir uns körperlich anstrengen oder versuchen, Dinge aus dem Körper zu befördern.

    IV. Die Valsalva-Hypothese

    Diese Beobachtungen veranlassten mich, eine Theorie aufzustellen, die ich die Valsalva-Hypothese nenne. Kurz gesagt deutet meine Hypothese darauf hin, dass Stotter-Blocks womöglich eine neurologische Verwirrung zwischen Sprechvorgang und dem Valsalva-Mechanismus darstellen. Diese Verwirrung würde demnach bevorzugt dann eintreten, wenn wir besonders gut sprechen oder Wörter herauspressen wollten.

    A. Neuromotorische Einstellung

    Wie könnte solch eine Fehlverschaltung zwischen Sprechen und dem Valsalva-Mechanismus entstehen? Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass jede körperliche Aktivität, ebenso das Sprechen, durch eine neurologische Einstellung eingeleitet wird, welche die Muskeln kontrollieren, die für die spezielle Bewegung benötigt werden. Diese Einstellung macht einige Neuronen mehr, andere wiederum weniger empfindlich für den auslösenden Impuls, der dann die eigentliche Bewegung startet.

    Sinngemäß sagt das Gehirn zu einigen Neuronen: “Achtung! Fertigmachen zum Anspannen Eurer Muskeln beim nächsten Kommando!” Zu anderen sagt es: “Entspannt euch. Nicht auf das nächste Kommando hören, denn das ist nicht für euch bestimmt.” Einen Bruchteil einer Sekunde später kommt dann über dieselbe Leitung das Startsignal. Die Neuronen und ihre Muskeln reagieren oder reagieren nicht, je nach dem Grad der Empfangsempfindlichkeit.

    Man kann dieses Prinzip selbst demonstrieren, wenn man das mit Freunden durchspielt. Zunächst erklärt man ihnen, worum es geht, indem man verschiedene Muskelgruppen anspannt, z.b. mit der Hand eine Faust machen oder auch anderes, wie mit dem Finger zeigen. Dann sollen die Freunde eine Faust machen, und zwar so schnell wie sie können, wenn Sie das Kommando: “jetzt!” geben.

    Zuerst geht es um ihre Aufmerksamkeit mit: “Fertigmachen, um eine Faust zu machen.” (Das ist wie das Einstellungs-Signal.) Dann sagen Sie: “jetzt!” (das ist wie das Startsignal), während Sie selbst eine Faust machen. “Nicht schlecht”, sagen Sie dann zu ihnen, “aber das war nicht schnell genug. Wir versuchen es nochmals.”

    Wiederholen Sie diese Übung einige Male, sodass jeder damit vertraut ist, so schnell wie möglich eine Faust zu machen. Danach sagen Sie ihnen nochmals: “Fertigmachen, um eine Faust zu machen”, sagen dann aber plötzlich: “mit dem Finger zeigen!” und strecken den Zeigefinger aus.

    Sie werden sehen, dass die meisten Leute dann reflexartig eine Faust machen – denn darauf sind ihre Nerven und Muskeln neurologisch vorbereitet. Genauso ist es beim Sprechen, wenn man das Gefühl hat, dass man sich besonders anstrengen muss. Dann könnte es sein, dass der eigene Körper neurologisch auf das Valsalva-Manöver statt auf den Sprechvorgang eingestellt wird.

    Fortsetzung im nächsten Beitrag

    Hallo, Dicimania!

    Schön, dass Du beginnen möchtest zu meditieren. Aus eigener Erfahrung und den Berichten vieler anderer kann ich sagen, dass die Meditation eine der wohltuensten Beschäftigungen ist, die der Mensch je erfunden hat. Leider hat die Meditation einen etwas mystischen und esoterischen Beigeschmack in den Augen der meisten Menschen. Dies ist allerdings ein Resultat der Unwissenheit. Wer nie meditiert hat oder dies mit egoistischen Zielen verbunden getan hat, der wird nie den wahren Segen der Meditation erkennen können.

    Die Meditation hat mir in meinem Leben viele Dinge deutlich gemacht, mir in anstrengenden und stressigen Zeiten einen Ort der inneren Ruhe und des Glücks beschert. Auch zur Eindämmung der Stotterproblematik ist die Meditation langfristig ein sehr wirksmes Werkzeug. Wunder darf man nicht erwarten, aber geschehen tun sie trotzdem oder gerade, wenn man nichts erwartet. Erwartungen sind wie Urteile. Urteile verdunkeln das Licht der Wahrheit. Sei einfach offen und klar wie ein frisch geputzes Fensterglas. Dann kann das Licht tief in Dich eindringen und Dein Herz erleuchten.

    In diesem Sinne, wünsche ich Dir viel "Erfolg". Wenn Du Fragen zur Meditation hast, dann lass es uns wissen.

    :D :D :D

    Im Nachhinein bin ich jedenfalls um einiges schlauer, auch was den Hebel angeht. Denn es kamen drei oder vielleicht vier Menschen in meinem Rausch vor: meine Eltern, mein Bruder und ich meine, ich hätte auch meinen längst verstorbenen Opa im Kopf gehabt. Egal, sie alle haben mich auf jeden Fall richtig geliebt und lieben mich immer noch. Sie alle hatten schon immer Einfluss auf mein Unterbewusstsein, und sie alle haben schon immer versucht, positiv auf mein Stottern einzugehen.

    Wie gesagt, ich bin höchstens Laie, was die Psychologie angeht, aber ich glaube nicht, dass es falsch ist, wenn ich es folgendermassen interpretiere: alle Menschen, die mich als kleines Kind geliebt haben, haben mir besondere Liebe und Aufmerksamkeit zukommen lassen, weil ich stotterte!

    Ich habe diesen Punkt neulich noch in meiner Selbsthilfegruppe vorgetragen, worauf gesagt wurde, dass das zwar eine weit verbreitete Theorie sei, dass sie aber mittlerweile nicht mehr ganz so angesehen sei. Ich sagte daraufhin, dass ich ja keine Theorie gefühlt habe sondern meine Gefühle, was ja ein Unterschied ist! Ich wusste ja auf einmal, was schiefgelaufen war, nämlich, dass das kleine Kind in mir immer schon gedacht hat, dass es, wenn es stottert, immer geliebt würde.

    Und dann wurden mir in Windeseile Dinge klar, die mich so schockierten – unglaublich! Ich begriff, dass ich – während mein Bruder in seiner Jugend einen Haufen schräger Dinge anstellte und mir dadurch den Toleranzweg freiboxte – immer der „Jüngste“ war, und die Hoffnung meiner Eltern: der Björn nimmt keine Drogen, der Björn klaut nicht, der Björn ist gut in der Schule, zieht sein Abitur durch, der Björn ist einfach nur lieb und brav und erfolgreich – der Jüngste eben. Und sein Stottern? Ach, na ja, jeder hat eben sein Kreuz zu tragen. Er schafft das schon.

    Ich begriff, dass ich durch dieses lieb-und-brav-Sein einen ganz entscheidenden Punkt versäumt habe: mich aus meiner Kind-Perspektive zu befreien. Dadurch wurde mir auch klar, warum ich schon mein ganzes Leben lang ein Punkrocker sein wollte: dagegen sein! Sich gegen Autoritäten auflehnen! Sein Ding durchziehen!

    Ich wurde dann ja auch, als ich wegem meines Studiums von meinen Eltern weg und nach Bochum zog, ziemlich heftig – also nicht mehr der brave Björn sondern dann doch eher der biertrinkende Rumpöbler mit Irokesenhaarschnitt, der maulstarke Punkrockgitarrist, der auf der Bühne stehende und schwitzende Rebell, der Systemzerstörer, der Linksextreme etc.

    Ich war endlich derjenige, der ich immer sein wollte: nicht mehr der brave Björn. Aber warum zum Teufel fühlte ich mich die ganze Zeit so beschissen? Ich fühlte mich so beschissen, weil nicht ich, der erwachsene Björn, so extrem sein wollte, sondern es war das Kind-Ich, das dieses extreme Verhalten als Schutz erklärt hatte. Alles passt zusammen: ich – bzw. das Kind in mir – habe immer noch riesen Probleme mit jeglicher Art von Autorität – und zwar aus dem Grund, weil die Erzieherin im Kindergarten damals durchsetzen wollte, dass ich noch nicht so weit bin, den Kindergarten zu verlassen.

    Ich habe eine Abneigung gegen jede Art von Lehrer, ich hasste die meisten Lehrer an meiner Schule. Ich erklärte bisher unbewusst jeden Professor in der Uni zu meinem Feind; selbst wenn ich eine Hausarbeit schreibe, kriege ich manchmal mit, wie ich den Vorgang des Schreibens als eine blutige Schlacht ansehe. Wenn ich in einer Sprechstunde eines Professors, eines Arztes oder bei wem auch immer bin, erschrecke ich mich manchmal richtig, wenn sie mir einen schönen Tag wünschen. Denn dann bekomme ich erstmal mit, dass sie mir nichts Böses wollen – was aber nichts daran ändert, dass ich in ihrer Gegenwart die allergrößten Blocks habe.

    Auch jetzt noch, während ich diese Zeilen schreibe und an so eine Sprechstunde denke, bilden sich schon geistige Blocks und ich fürchte mich ehrlich gesagt vor der nächsten Sprechstunde; weiss aber, dass ich das eigentlich nicht müsste und dass es unbedingt wichtig ist, auch diese Strukturen abzuschalten. Denn sie stören!

    Ich wusste schon immer, dass ich niemals für länger unter einem Chef arbeiten könnte, denn ich wäre nach einigen Tagen nervlich am Ende. Ich kann keine Autoritäten akzeptieren, mit einer Ausnahme: meine Lehrer im Wing Tsun, meine Sihings („älterer Bruder-Lehrer“). Denn diese habe ich mir selbst ausgesucht, ausserdem habe ich ja mit Wing Tsun angefangen, um meinen Bruder zu beeindrucken. Dieser ist nämlich mittlerweile auch ein Lehrer im Wing Tsun, und ich bin so stolz auf ihn, wenn ich ihn in seinem Unterricht sehe.

    Ich verstand in diesen Überlegungen, dass ich immer noch der kleine Junge meiner Eltern bin, und dass ich, wenn ich am Wochenende bei ihnen bin, sehr extreme Schlafprobleme habe und mich bei ihnen überhaupt nicht mehr wohl fühle. Ich weiss jetzt, dass ich einen grossen Abstand brauche, um mein Kind-Ich in Ruhe erwachsen werden zu lassen.

    Zum Erwachsenwerden des Kind-Ichs gehört das Abschütteln der Autoritätsprobleme, das Abschütteln des selbst auferlegten Zwangs, möglichst extrem zu sein (was ich eigentlich auch gar nicht bin), das Abschütteln der depressiven Haltung, die ich manchmal an den Tag lege, wenn ich will, dass sich jemand um mich kümmert – und im Endeffekt das Abschütteln des Stotterns!!!

    Das ist das Ziel. Und ich müsste auf diesem Weg so einige Dinge aufgeben, die mein Kind-Ich sich ausgedacht hat, damit es mir besser geht. Das Dagegensein im Punkrock zum Beispiel steht dieser Entwicklung im Wege, es sei denn, ich kann es zu einem Dagegensein im Sinne von „Ich schaffe alles, was ich mir vorgenommen habe und dabei steht mir niemand im Weg!“ umzumodelieren.

    Das wäre ja was, denn Punk an sich ist immer noch der Himmel auf Erden für mich. Ausserdem sind ja auch einige Sachen dabei, die ich aus meinem Erwachsenenbewusstsein immer noch so sehe: dass das kapitalistische System zum Beispiel irgendwann einmal die Welt untergehen lassen wird, hat nichts mehr mit der Ansicht des Kindes in mir zu tun sondern ist eine Ansicht, die ich mir angelesen habe. Und ich werde als Erwachsener (!) alles tun, um andere Menschen von dieser Ansicht zu überzeugen.

    Um mal den Bogen zu finden: es war die Tiefenmeditation bei Hans, die mich auf all diese Gedanken gebracht hat. Hans Liebelt hat mir geholfen, diese tiefen Erkenntnisse zu gewinnen – und sie hinterher auch zu verdauen. Denn natürlich hatten wir die Gelegenheit, darüber zu reden. Ansonsten wäre ich glaube ich wieder sehr depressiv geworden, es hätte sich ein Rückstau gebildet, wie der, der das ganze Theater Anfang 2000 eingeleitet hat.

    Irgendwann in dieser Woche habe ich mit Hans auch noch über meine mündlichen Magisterprüfungen gesprochen und ihm gesagt, dass meine Professoren (diese bösen Professoren!) mir geraten haben, diese mündlichen Prüfungen am besten schriftlich abzulegen. Ich habe ihm gesagt, dass ich dazu keine Lust hätte, aber auch genau wüsste, dass ich mit meinem starken Stottern keine Chance hätte, die Prüfungen mit einer für mich akzeptablen Note abzulegen. Hans hat mir daraufhin nach dem Seminar einige positive Sätze per Email geschickt, die ich mir nun dreimaltäglich vorspreche und die mir helfen werden, wenn ich sie in einer bildhaften Weise regelmässig verinnerliche. Da bin ich inzwischen (fast) sicher.

    Meine Gedanken erschöpfen sich langsam. Ich habe das Gefühl, viel zu wenig wiedergegeben zu haben, was tatsächlich während des Seminars passiert ist – und viel zu persönlich geworden zu sein. Aber das ist es ja, was dieses Seminar ausgemacht hat: das Unterbewusstsein stand die ganze Zeit im Vordergrund, und all das, was drumherum passierte, war im Prinzip gar nicht so wichtig.

    Ich kann nicht mehr sagen als das, was ich bereits gesagt habe: wir haben meditiert, geatmet, uns theoretisch und praktisch mit dem Unterbewusstsein beschäftigt, unsere Wut rausgelassen und uns mit positiven Sätzen vollgepumpt.

    Ich weiß, dass ich dranbleiben muss – das ist ja bei jedem Ansatz dasselbe. Man muss immer weitermachen, auch wenn die Erfolge anfangs so groß sind. Das hat Hans auch immer wieder betont.Dennoch, ich bin von Van Riper abgebogen, habe die Autobahn gewechselt. Hans ist der Wegweiser, der mir gezeigt hat, dass ich die seit fünf Jahren gesperrte Van Riper – Autobahn umfahren kann.

    Ich stehe nun in regelmässigem Kontakt mit Hans Liebelt, und auch Roland Pauli ruft mich des öfteren an. Ich glaube, dass ich, wenn ich so weitermache, irgendwann das Kind in mir großgezogen haben werde – und dann in den meisten Situationen beständig flüssig reden kann. Wie schon jetzt seit drei Wochen. Im April werde ich das nächste Stotterer-Training zumindest tageweise wieder mitmachen. Damit es weiterhin bergauf geht.

    Und ich habe ein neues Motto: Stay yourself, not punk!

    Danke, Hans!

    In diesem Sinne,
    Bloody Björn Germek.

    Hans Liebelt lud mich Ende Februar 2001 auf ein Seminar von ihm ein, aus heiterem Himmel. Mittwoch hatte ich davon gehört, Donnerstag hatte ich mich auf seiner Homepage informiert, Freitag angemeldet, und Sonntag saß ich dann schon mit Hans und zwei anderen Kursteilnehmern in einer netten Kneipe in Lüdenscheid.

    Am Montag ging es dann los, und erst da wurde mir richtig bewusst, dass dieses Seminar haargenau in meine Gedanken hineinpasst, es war so, als hätte es genau jetzt kommen müssen. Ohne die depressiven Anfälle seit Anfang 2000 und die genau entgegensteuernden Erfolge in meinem restlichen Leben hätte ich nie mit meinem Freund darüber geredet, hätte mir nie Gedanken über die Strukturen in meinem Kopf gemacht, hätte dann wohl auch nicht so spontan das Seminar von Hans Liebelt besucht – weil ich vielleicht viel zu skeptisch gewesen wäre.

    Das war also die Vorgeschichte, und jetzt folgt der Erfahrungsbericht.

    Als Van Riper-„Sklave“ bekam ich ja am Montag erstmal einen Schock, als Hans Liebelt sagte, dass es nicht sein Ziel sei, das Stottern zu akzeptieren, sondern er sagt, sein Ziel sei, möglichst immer fliessend zu reden. Und er sei sich auch vollkommen sicher, dass wir alle das könnten. Weil: in den Momenten, in denen wir nicht übers Stottern nachdenken, sind wir flüssig. Wir können perfekt Selbstgespräche führen oder uns etwas vorlesen, können uns mit unseren Haustieren unterhalten und so weiter.

    Er geht davon aus, dass das Stottern hauptsächlich ein mentales Problem ist, und dass man durch mentales Training die alten Strukturen, die uns zum Stottern zwingen, überlernen kann. (Ich hoffe, dass ich die Grundzüge seines Ansatzes richtig referieren kann, denn die menschliche Psyche ist ja doch ziemlich kompliziert und daher auch nicht ganz so leicht zu erklären.)

    Wir waren ja alle mal Kinder, und für diese Kinder hat es wohl irgendwann mal einen Grund gegeben zu stottern. Diesen Grund gibt es nun nicht mehr, und eigentlich müssen wir nicht mehr stottern. Um das aber zu begreifen, müssen wir nach und nach auf den Grund, den das Kind damals hatte, kommen – um dem Kind dann auch zu sagen, dass dieser Grund nicht mehr existiert, dass es nun erwachsen werden und aufhören kann zu stottern.

    Hans hat folgende Gleichung aufgestellt: Wer stottert, atmet nicht und wer nicht atmet fühlt nicht. Wenn wir nicht atmen müssen, müssen wir nicht fühlen, was käme da eher gerufen als ein Block?

    Wir haben also erstmal eine wunderbare Art zu atmen gelernt, die sog. Flankenatmung, bei der es darauf ankommt, möglichst viel Luft in die Seiten zu atmen und sie sofort wieder gleichmässig ausströmen zu lassen. Es ging ziemlich schnell, bis wir mit dieser Art zu atmen sehr flüssig waren. Ich war am Montagmorgen noch ziemlich „blockbestraft“, aber als ich dann die neue Art zu atmen hatte, konnte ich eigentlich sofort flüssig reden. Der Hebel war umgelegt, er sagte mir jetzt: „Ja, du kannst / darfst flüssig reden!“ Und das tat ich dann auch.

    Der Vorteil am fließenden Sprechen ist – neben dem fließenden Sprechen an sich –, dass man viel besser auf seine Gefühle achten kann, wenn man sich nicht bei jedem zweiten Wort mit den Blocks herumquälen muss. Und das war es ja, was wir machen wollten: wir wollten uns unsere Gefühle ansehen, um wie gesagt auf den Kern unseres Daseins zu stoßen, dorthin, wo der Grund für die Beibehaltung unseres Stotterns liegt.

    Die andere Sache war, dass wir positive Sätze an die Hand bekamen, mit denen wir die alten Strukturen überlernen können. Eine von meinen bösesten Strukturen ist zum Beispiel dieses „Siehst du? Schon wieder ein Rückfall! Du packst es nicht!“ Das ist ja das Fatale an den Menschen, die ein Verliererskript mit sich herumtragen: sie sind Seiltänzer ohne Sicherheitsnetz, die beim ersten Fehler mit dem Kopf auf den Boden knallen und sich danach dreimal überlegen, ob sie noch einmal hochklettern sollen.

    Die anderen Menschen, die Menschen mit Gewinnerskripts, haben dieses Sicherheitsnetz, und sie denken sich: „Dann klappt es halt beim nächsten Mal!“

    Das Ziel muss also unbedingt sein, dieses Verliererskript zu entwurzeln und es durch ein Gewinnerskript oder wenigstens durch ein Von-Sich-Überzeugt-Sein-Skript zu ersetzen.

    „Wahrnehmungslenkung“ heisst das Zauberwort, mit dem ich mittlerweile sehr viel anfangen kann. Wenn wir es schaffen, unser Bewusstsein regelmässig mit positiven Sätzen vollzutanken, dringen diese Sätze zwangsläufig irgendwann auch ins Unterbewusstsein, wo sie nach und nach die alten (negativen) Sätze ersetzen sollen.

    Durch Meditation, derer wir sehr viel auf dem Seminar lernten, stoßen wir immer weiter auf die alten negativen Strukturen, sehen immer mehr ein, wie sehr sie uns im Wege stehen – und können positiv auf sie eingehen. Und irgendwann passieren dann eben die Dinge, an die wir glauben.

    Wir bauen uns unsere Realität, was man zum Beispiel daran sieht, dass ich von einigen Dingen fest überzeugt bin, die auch wirklich dann so eintreten. Ich hoffe nicht sondern ich weiss, dass ich Auto fahren kann – und, was ist? Mittlerweile steuere ich ein Auto durch die Gegend, ohne über den Vorgang des Autofahrens nachzudenken. Ich hoffe auch nicht, dass ich mit dem Zehn-Finger-System meine Geschichten, Hausarbeiten oder Seminarberichte schreiben kann sondern ich weiss es. Und ich kann am PC manchmal schneller schreiben als reden, auch jetzt noch. Ich laufe, ohne darüber nachzudenken, und so kann ich im Prinzip auch reden, ohne darüber nachzudenken.

    Das Problem ist, dass mein Unterbewusstsein irgendwann mal gelernt hat, dass ich eben nicht fliessend reden kann. Es haben sich die schon oft angesprochenen Strukturen gebildet, die sich bei jedem Block bestätigt fühlen, sich dadurch Nahrung holen, wachsen und gedeihen, neue Knospen kriegen usw. Jeder Block bestätigt den Satz: „Du kannst nicht flüssig sprechen.“, daher ist es unglaublich wichtig, keinen Block stehenzulassen.

    Auch das haben wir auf dem Seminar lange geübt. Wir waren angehalten, uns gegenseitig daran zu erinnern, dass wir nicht den kleinsten Stolperer so lassen, wie er ist. Immer den Satz noch einmal sprechen, die Strukturen damit abtöten, am besten für immer.

    So verbrachten wir die fünf Tage, die leider viel zu schnell vergingen, mit reichlich Atemübungen, mit vielen Gesprächen und vor allen Dingen mit den verschiedensten Meditationstechniken.

    Meditation ist ein gutes Mittel, um herauszufinden, was überhaupt in uns los ist, und so führte Hans uns in einige Techniken ein, die mir allesamt sehr gut gefallen haben. Ich habe endlich einen guten Zugang zu Meditation erhalten, und auch jetzt noch meditiere ich zwei- bis dreimal am Tag jeweils 20 Minuten. Weil es einfach Spaß macht, manchmal habe ich sogar richtige Glücksmomente. Jetzt schon, nach zwei Wochen.

    Die für mich bewegendste Meditation war allerdings eine, die ich zu Hause alleine niemals machen würde. Sie hieß Rebirthing, und war – wie der Name bereits sagt – darauf ausgelegt, möglichst weit in die Vergangenheit zurückzureisen. Durch Hyperventilieren brachten wir uns in einen drogenrauschähnlichen Zustand – Hans sagte, der Effekt sei vergleichbar mit dem von LSD – und stießen in Räume unseres Unterbewusstseins vor, die ich persönlich vorher noch nicht sehen konnte.

    Ich weiss nicht, ob ich es mir nur einbildete, aber ich hatte zumindest das Gefühl (und darauf kommt es ja an), dass ich mich an meine Taufe zurückerinnern konnte. Davon ausgehend liess ich meine gesamte Kindheit an mir vorbeiziehen – wie ich des nachts zwischen meinen Eltern im Bett lag, den Kopf auf dem starken Arm meines Vaters; wie sehr ich mich fürchtete, als meine sehr oft nachts arbeitenden Eltern unterwegs waren und ich auf einmal davon überzeugt war, dass in meinem Schlafzimmer jemand Böses auf mich warten würde; wie dann auf einmal mein grosser Bruder seine Hand um mich legte und mir das Gefühl gab, nicht alleine zu sein; wie dieser grosse Bruder dann unendlich viele Jahre später von einem Zug angefahren wurde (aber überlebt hat, was das grösste Glück überhaupt ist!) und meinem immerhin schon 17jährigen Unterbewusstsein dadurch suggerierte, doch alleine zu sein...


    Wie dem auch sei, ich wurde sehr traurig, fing an zu weinen – und war unendlich froh, dass Hans Liebelt in meiner Nähe war. Er deckte mich mit einer Wolldecke zu, brachte mir Taschentücher, flüsterte mir warme Worte zu, gab mir das Gefühl, dann doch wieder nicht ganz alleine zu sein.

    Ich nahm mir vor, meinem Bruder einen Brief zu schreiben, in dem ich ihm die ganzen Gefühle, die ich während dieser Meditation ihm gegenüber hatte, aufschreiben wollte. Das ist jetzt zwei Wochen her, und mittlerweile sehe ich die Sache wieder etwas nüchterner. Mein Kopf hat sich wieder eingeschaltet, und ich empfinde es nun als zu kitschig, ihm das mitzuteilen.

    Als dann alle Gefühle draußen waren, fing ich auf einmal an zu lachen. Ich lachte mir die Seele aus dem Leib, konnte mich gar nicht mehr beruhigen. Aber es war ein befreites Lachen, ungezwungen und aus dem Bauch heraus – und das tat gut! Ich lachte bestimmt eine Viertelstunde, und als Hans uns dann mitteilte, dass wir allmählich aufwachen und uns die Beine vertreten könnten, lachte ich immer noch. Ich versuchte dann aufzustehen, wurde mir aber bewusst, dass es wohl noch sehr lange dauern würde, bis ich wieder Herr meiner Knochen sein würde.


    (Fortsetzung im nächsten Beitrag)

    Liebe LeserInnen!

    Weil Björns 2. Bericht, den ich kurioserweise als erstes ins Forum gestellt habe, großen Anklang gefunden hat, bringe ich nun auch seinen ersten Bericht in diese Kommunikationsplattform. Vielleicht wird der eine oder andere von Euch, durch Björns wunderschöne Art zu schreiben, angeregt, an seiner jetzigen Situation mit aller Energie zu arbeiten.

    "Es ist besser, ein Kerze anzuzünden, als über Dunkelheit zu klagen."

    In diesem Sinne: Viel Spaß!

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    Erfahrungsbericht – das Stotterer-Training bei Hans Liebelt in Lüdenscheid...

    ... kam so plötzlich in mein Leben, dass ich erst jetzt richtig begreife, was sich mir da für eine Chance offenbart hat. Dennoch spüre ich, dass das genau der richtige Zeitpunkt war, etwas Derartiges zu erleben.

    Um das, was für mich dort passiert ist, verständlicher zu machen, muss ich etwas weiter ausholen.

    Ich stelle mir schon sehr lange immer wieder dieselbe Frage: wie kann es sein, dass ich, als selbstbewusster junger Mann, die 1996 in Bonn erlernten, normalerweise gut greifenden Sprechtechniken einfach nicht in den Alltag umsetzen kann?

    Es war immer wieder die gleiche Situation: der Björn saß 20 Minuten an seinem Lesetext, übte die schon längst perfekt erlernten Sprechtechniken, ging dann zum Telefon, rief den unfreiwilligen Übungspartner an, und als der dann abhob, sprang der Hebel im Kopf um. Welcher Hebel?, wird sich jetzt vielleicht der oder die eine oder andere fragen. Der für mich allesentscheidende Hebel ist hier gemeint, der Hebel, der unter anderem schon immer verhinderte, dass ich mich auf mein Sprechen verlassen konnte.

    Es gibt in meinem Kopf und somit auch in meiner Sprechmotorik genau zwei Arten zu sprechen: entweder super angespannt und hilflos oder einfach nur flüssig. Leider schaffte ich es nie, den Hebel zwischen „ja, die Techniken funktionieren“ und „nein, die Techniken können nicht funktionieren“, willentlich umzulegen. Somit richtete sich mein Sprechverhalten immer nach der Laune meines Unterbewusstseins, die meistens schlecht war. Und das, obwohl ich alles getan hatte, was ich konnte.

    Ich bin kein Profi im Analysieren der menschlichen Psyche, aber ich mache mir besonders seit einem Jahr sehr viele Gedanken darüber, wie es auf psychischer Ebene zu erklären ist, dass ich funktionierende Techniken habe, die nur dann funktionieren, wenn dieser Hebel im Kopf auf „ja!“ eingestellt ist.


    Vor einem Jahr nämlich hat sich bei mir folgendes ereignet: ich fing mal wieder intensiver an, mich um eine Verbesserung meines Sprechens zu bemühen. Ich erreichte – durch eine weitere ambulante Therapie – auch eine Verbesserung, die mein Unterbewusstsein ganz strikt mit sehr heftigen Depressionen belohnte. Ich hatte auf einmal Panikattacken, hatte Angst vor meinem eigenen Spiegelbild, meiner eigenen Stimme, vor allen Dingen, die mich irgendwie nach vorne bringen könnten.

    In den Jahren meiner Pubertät hatte ich öfters mal den sehr penetranten Gedanken, mein Leben vorzeitig zu beenden, weil es sich mir so schwarz darstellte – und dieser Gedanke kam auf einmal zurück. Das war vor ziemlich genau einem Jahr, und ich fühlte mich sehr hilflos.

    Ich redete hauptsächlich ganz lange mit meiner Mutter darüber, aber irgendwie half mir das auch nicht so viel weiter. Ich hatte Angst, verrückt zu werden, redete mir sehr lange ein, bereits verrückt zu sein. Denn mein Leben stellte sich mir sehr surreal vor, das heisst ich erlebte alles wie hinter einer dicken Panzerglasscheibe.

    Alle meine Leute schienen kilometerweit von mir entfernt zu sein, ich war mit mir alleine – immer! Ich konnte vor mir nicht fliehen, fürchtete mich vor meinem eigenen Bewusstsein. Ich fuhr überall hin, Hamburg, Schweden, Berlin... mein Bewusstsein war immer bei mir und jagte mir Angst ein.

    Ich meldete mich bei einer Psychologin an, bei der ich immer noch überflüssigerweise auf der Warteliste stehe (es haben halt viele Leute Probleme mit sich selbst).

    Aber gleichzeitig hatte ich auch die größten Erfolgserlebnisse, die man sich überhaupt vorstellen kann: ich schrieb eine Hausarbeit für die Uni: 1,3 (die erste „1“ seit der Grundschule!), ich absolvierte ein sehr gutes Praktikum bei der Taz-Ruhr-Redaktion, bekam dort ein supergutes Zeugnis, das wirklich nicht alle bekommen. Ich erlebte allerlei Fortschritte mit meinem Stottern...

    Aber die ganze Zeit, das ganze Jahr 2000, kam mir mein Leben wie ein einziger Traum vor. Zwar ein größtenteils schöner Traum, aber dennoch furchteinflössend, weil ich nicht aufwachen konnte. Und immer die Angst, tatsächlich verrückt zu werden, durchzudrehen und irgendetwas zu tun, was nicht mehr rückgängig gemacht werden konnte. Immer die Angst, dass sich der Traum in einen Albtraum verwandeln könnte.

    Ich versuchte, die Angst aufzuschreiben, sie auf Tonband zu sprechen, ich versuchte, mit einigen Leuten darüber zu reden – aber nichts hinderte meinen Kopf daran, ständig in Panik auszubrechen.

    In meiner Not besuchte ich dann im Spätherbst einen Psychologen des Studierendenhauses an der Uni. Bei ihm bekam ich nicht einen Ton heraus, und ich fühlte die ganze Zeit, dass im Prinzip diese Sitzungen überhaupt nichts bringen. Weil das Problem woanders lag.


    Und irgendwann unterhielt ich mich abends beim Bier mit einem guten Kumpel, der mir schon länger mal etwas von seinem „geistigen Stottern“ erzählen wollte. An diesem Abend packte er aus, was er damit meinte: er sagte mir, dass er manchmal so komische Vorstellungen in seinem Kopf hätte, was das für Vorstellungen waren, sage ich jetzt hier nicht. Ist ja auch nicht wichtig.

    Er sagte, die Vorstellungen seien schon jahrelang dort drinnen, und er hätte die ganze Zeit Angst gehabt, ein Psychopat zu sein. Gefährlich zu sein. Er hätte lange versucht, sich damit abzufinden, dass er einfach total durchgeknallt sei, und dass er diese Vorstellungen wohl akzeptieren müsste. Bis er durch einen Zufall an ein Buch gekommen sei, das (glaube ich) „Was machen Sie, nachdem Sie guten Tag gesagt haben?“ hiess. Dieses Buch ist (glaube ich) von jemandem namens Bern, und in ihm ist die sogenannte Skripttheorie erklärt, die beschreibt, warum wir Menschen Dinge tun, die uns gar nicht so bewusst sind. Wir haben vorgeschriebene Regeln in unseren Köpfen, die zumeist gegen uns arbeiten. „Skripts“ nennen sich diese Regeln.

    Mein Kumpel erzählte und erzählte, er berichtete mir von „Verliererskripts“ und von Menschen, die sich selbst bestrafen müssen (beispielsweise mit Selbstverletzung durch Rasierklingen oder so etwas), weil es ihnen eine Zeit lang gut ging.

    Tja, und da ging mir ein Licht auf: können meine Ängste / Traumwahrnehmungen / Depressionen daher kommen, dass ich Anfang des Jahres eine Veränderung angestrebt habe, die mein Unterbewusstsein so nicht haben wollte?

    Ja! Mir wurde in den Tagen danach immer mehr bewusst, was überhaupt mit mir los ist: ich lebe seit zwei Jahren selbständig, ohne meine Eltern, in Eigenverantwortung. Ich mache Erfolge in der Uni, beim Wing Tsun (chinesische Kampfkunst) etc. – und jetzt noch das Stottern verändern?

    All das arbeitete gegen meine „Verliererskripts“, gegen die Strukturen in meinem Kopf, die mir unter anderem sagten und sagen:

    1. Du bist auf deine Eltern angewiesen. Du kannst nicht selbständig leben.

    2. Alle Veränderungen ins Positive bedeuten Schmerzen. Am wohlsten fühlst du dich, wenn du dich im Selbstmitleid suhlen kannst.

    3. Im Grunde bist du auf der Welt, um ständig auf die Schnauze zu fallen und dir Gedanken zu machen.

    4. Alle Versuche, etwas gegen das Stottern zu unternehmen, scheitern.

    Mir wird seitdem immer klarer, dass diese „Verliererskripts“ gegen mich arbeiten, dass sie nicht zulassen wollen, dass ich gewinne, dass ich mich verändere, dass ich mein Stottern loswerde... Seitdem ich das weiss, ist die Angst, richtig verrückt zu werden, nicht mehr ganz so gross. Denn seitdem habe ich einen Gegner und muss jetzt nur noch einen Weg finden, ihn zu besiegen. Ich glaube, ihn gefunden zu haben.

    Ich habe versucht, darauf einzugehen, indem ich mir dachte: du musst diese vernichtenden Strukturen doch ändern können! Aber ich wusste nicht wie. Ich unterhielt mich oft mit diesem besagten Kumpel, der unter dem „geistigen Stottern“ leidet, stand und stehe in regem Emailkontakt mit einer um 13 Jahre älteren Frau, die sich ebenfalls schon lange mit der Skripttheorie auseinandersetzt – alles half ein bißchen, aber eben nicht genug.

    Zwischendurch passierten noch einige dramatische Geschichten, die hier aber den Rahmen sprengen würden. Ich veränderte meine Ansichten zu einem Großteil, versuchte, für alles offen zu sein, was mir über den Weg lief. Und dann lief mir tatsächlich etwas über den Weg: das Seminar von Hans Liebelt.

    (Fortsetzung in nächsten Beitrag)