Hallo, Bruce,
ich hatte Dich schon vermisst. Schön, dass Du noch da bist. 
Ich glaube, Du hast da ein grundsätzliches Problem. Du schreibst oft, dass man sein Stottern akzeptieren lernen muss, um damit selbstbewusst umgehen zu können und behauptest, dass das Stottern nicht "heilbar" sei. Darum könne man daran auch nichts durch Training und Fleiß ändern. Ich glaube ich habe in den letzten Jahren einfach nur geträumt, dass viele, die das Stotterer-Training besucht haben, jetzt wesentlich besser damit zurecht kommen. Die müssen wohl alle lügen.
Lieber Bruce, ich sehe ebenso wie Du, dass das Stottern im Sinne von völliger Symptomfreiheit schwerlich heilbar ist. Ich kenne niemanden, der völlig flüssig spricht. Auch Gysi, Oskar, Schröder und Konsorten verplappern sich des öfteren, genauso wie Lehrer, Pfarrer, Polizisten, Moderatoren, Professoren und so weiter.
Weil Du weißt, dass im Stotterer-Training unter anderem auch mit einer Atemtechnik trainiert wird, schmeißt Du alles in einen Topf und sprichst von fragwürdigen Atemtechniken. Beim letzten Seminar war die Aussage einer Teilnehmerin: "Ich kann mein Stottern jetzt besser akzeptieren." (Kann ich Dir per Videoaufzeichnung beweisen.) Passt das in Dein (Vorurteils-)Konzept? Wenn Du weniger "Recht haben" wolltest und die Kirche im Dorf ließest, könnstest Du vielleicht auch mal die Dinge sehen, die unsichtbar mitschwingen.
Du empfiehlst Psychotherapie, denn da würde einem beigebracht, wie man sein Stottern besser akzeptieren könne. Komisch, ich träume wohl, dass die meiste Zeit im Stotterer-Training psychotherapeutisch gearbeitet wird.
Bruce, Du bist ein komischer Kerl, der sich mit dem Kontra beschäftigt und das Pro gar nicht sehen will und vieles einfach ausblendet. (Bitte nimm das nicht persönlich, das soll kein Urteil sein, ich bin mir sicher, dass Du ein liebenswerter und netter Zeitgenosse bist.)
Zu Deinem Argument mit dem wissenschaftlich nicht belegten Zusammenhang zwischen Stottern und Atmen: Wie wissenschaftlich ist die Wissenschaft eigentlich? Das hatten wir schon mal. Dass sich das Atmen beim Stottern verändert, ist wohl nicht zu übersehen. Aber, es ist nur ein Symptom, nicht mehr und nicht weniger. Es ist nicht die Ursache. Wie war das noch mit den subatomaren Teilchen, die sich so verhalten, wie der Beobachter (Wissenschaftler) es erwartet? - think -
Eines ist wohl sicher: Die meisten Menschen (auch Wissenschaftler und Therapeuten) tun alles, um sich einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen. Frei nach dem Motto "Jeder ist sich selbst der Nächste." Und dazu gehört natürlich auch, dass man seine Konkurrenten in mehr oder weniger offensichtlicher Weise verunglimpft oder versucht als unglaubwürdig darzustellen. Und wenn es nicht für den schnöden Mammon ist, dann für Anerkennung, Ruhm, Ehre oder Macht. "Wissenschaftliche" Studien haben da natürlich eine hohe Schlagkraft und allgemeine Akzeptanz.
Ich denke, die meisten Phänomene sind veränderbar. Ticks und Stottern auch. Heilbar? Habe ich je behauptet, ich sei vom Stottern geheilt? Was ist Heilung. Vom Wortstamm her heil, heilig, ganz. Wenn Du sagst, spürst und lebst "ich bin wie ich bin und das ist gut so", dann ziehe ich den Hut vor Dir. Ich glaube jedoch zu spüren, dass Du noch nicht soweit bist. Wenn Du zur Aufrechterhaltung Deines Selbstbildes belehrende Worte an andere richten musst, dann nur zu. Das Universum ist groß, da ist noch viel Platz. Und solange der Speicherplatz auf dem Server noch reicht, kannst Du Dich hier im Forum auch ruhig weiter austoben. Vergiss das Leben dabei aber nicht.
Sag mal, warum kommst Du mich nicht mal besuchen? Ich würde mich sehr freuen, Dich persönlich kennenzulernen. Trotz aller Meinungsverschiedenheiten, denn im Grunde bist Du ich und ich bin Du. Was ist denn aus Deinem Vorhaben, dass Du hier im Forum auch angekündigt hast, das Stotterer-Training für eine Evaluation vorzuschlagen, geworden? Bist Du da weiter gekommen?
Liebe Grüße
Hans 