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Atemtechnik gegen Stottern

Der Atem ist einer der zentralen Dinge unseres Organismus'. Wenn wir stottern, gerät der Atemvorgang aus seinem natürlichen Rhythmus. Durch Atemtechnik und Atemübungen können wir lernen, wieder strukturiert zu atmen und die unangenehmen Symptome des Stotterns zu beherrschen.

Die Veränderung des Atems während einer Stottersituation ist meiner Beobachtung nach auf Stress zurückzuführen und kann als Stressreaktion verstanden werden. Stress läuft in erkennbaren Schritten ab. Erklärbar sind diese Schritte nach dem SORK-Modell (S-O-R-K).

Stottern – Atemtechnik

Aber warum atme ich nicht, wenn ich einen Stotterblock habe? Vielleicht hast Du dieselbe Erfahrung gemacht: In dem Moment, in dem Du einen Schmerz fühlst oder ein unangenehmes, schmerzliches Gefühl bekommst, versucht Dein Körper, dieses Gefühl zu unterbinden, indem er Deine Lebendigkeit einschränkt. Und zwar dadurch, dass er die Sauerstoffzufuhr drosselt. Das geht wunderbar einfach und schnell; hau Dir nur einmal mit dem Hammer auf die Finger. Was passiert automatisch? Du atmest in dem Moment reflexartig ein und hältst die Luft an! Der Schmerz scheint erträglicher.

Sich unsicher zu fühlen, wenn man etwas sagen soll, ist genau so ein Gefühl. Am liebsten möchte man der Situation aus dem Weg gehen, im Boden versinken - und sofort ist der Luft-anhalte-Reflex aktiv.

Stottern transformieren nicht bekämpfen.

Stell Dir vor: Du fährst Auto und trittst gleichzeitig Gas- und Bremspedal.

Da gerät doch jedes Fahrzeug ins Stottern, oder? Vielleicht gab es mal einen Grund, kräftig auf die Bremse zu treten und den Atem anzuhalten, sei es körperlich oder seelisch bedingt. Heute sind diese Gründe nicht mehr vorhanden. Man will wieder "Gas geben" und flüssig sprechen aber die mittlerweile automatisierten Gefühls- und Reaktionsmuster lassen dies oft nicht zu, treten immer wieder auf die "Bremse".

Doch was kann ich gegen das Stottern tun? Je weniger ich es haben möchte, umso mehr tritt es in mein Leben, umso mehr leide ich unter meinem Stottern.

Ich muss lernen, dem Stottern neutral gegenüber zu stehen. Das ist auch ein Ansatz vieler Therapien für Stotterer. Dazu gilt es, z. B. mittels Sprech- und  Atemübungen meine Aufmerksamkeit auf das Hier und Jetzt zu lenken oder das Stottern zu verändern, zu modifizieren mittels einer Atemtechnik. Das flüssige Sprechen kann ich mit verschiedensten Therapiemethoden erreichen, im Idealfall spreche ich völlig natürlich.

Um das flüssige Sprechen jedoch beizubehalten, muss ich über einen individuell verschieden langen Zeitraum üben. Während dieser Phase ist die Rückfallgefahr groß. Wenn ich aber durch das Anwenden von Grundprinzipien der Psychotherapie mich besser kennen lerne, meine Vermeidungsstrategien wahrnehme, dann gelingt es mir, leichter und sicherer das Stottern zu bewältigen und den Sprachfehler zu korrigieren.

Das Stotterer-Training berücksichtigt umfassend die Problemfelder der Therapie gegen das Stottern und vermittelt praktische Lösungsmöglichkeiten. Wenn Du einige Hintergründe für den ganzheitlichen Ansatz unserer Stottertherapie erfahren möchtest, dann empfehlen wir als einführende Lektüre in die Therapie des Stotterns die Bücher "Psychodynamik des Stotterns" von Dr. Jürg Kollbrunner und "Stottern" von Fiedler & Standop.