Skip to main content

Praktikumsbericht einer Sprachheilpädagogik-Studentin

Vom 21.- 22. April 2011 schnupperte ich im Schwarzwald im Seminarhaus Paki in ein Stotterer-Training hinein. Dieses wurde geleitet von Hans Liebelt, der sich mit Herz um die Teilnehmer engagierte.

Am frühen Abend des 21. Aprils reisten alle Teilnehmer an, damit direkt nach dem Abendessen mit dem ersten Treffen gestartet werden konnte. Hierbei wurden zunächst die Stotterer, die aus überwiegend Jugendlichen bestanden, bei deren Personenvorstellung gefilmt. Anschließend wurden erste Techniken zur richtigen Atmung erklärt, vorgemacht und probiert. Es muss angemerkt werden, dass nur ein Junge bisher noch nicht an diesem Training teilgenommen hat, sodass die „alten Hasen“ ihm und mir sehr nett gezeigt haben, wie diese Atemtechnik zu vollführen ist. Bei dieser Übung geht es genauer um den Atemablauf (Einatmung - Ausatmung - Pause - Einatmung ….). Zur besseren Nachvollziehbarkeit der Übung wurden das Zwerchfell und die Muskulatur der Atmung erläutert und mittels einer Abbildung gezeigt und erklärt, dass es drei verschiedene Typen der Atmung gibt: Brustatmung, Flankenatmung und Bauchatmung. Für das Training wird die Flankenatmung benutzt. Da diese jedoch bei den meisten Menschen nicht im Alltag verwendet wird, muss diese konzentriert eingeübt werden. Um diesen Atmungstyp zu erleichtern, stemmt man die Hände an die Seite des Körpers, sodass der kleine Finger die unterste Rippe berührt. Wenn man nun einatmet, sollte man leichten Druck auf die Flanken geben, bei der Ausatmung wiederum viel Druck. Währenddessen sollte man sich auf sein Zwerchfell konzentrieren und sich vor Augen halten, wie dieses bei der Einatmung auseinander gezogen wird (also strafft) und bei der Ausatmung nach oben gezogen wird. Diese Übung sollte man nun so viel und sooft es geht durchführen.

Wenn es nun um das Sprechen selbst geht, sollte man eine bestimmte Sprechtechnik anwenden. Diese besteht aus drei Phasen. In der ersten Phase lernt man den Satz, den man mitteilen möchte, Wort für Wort auswendig, dabei sollte darauf geachtet werden, dass dieser am Anfang des Trainings nicht allzu lang ist. In der zweiten Phase muss man sich dann auf die eigene Atmung konzentrieren und nur auf die Atmung, denn sobald die Angst durchkommt, kann der Satz nicht flüssig gesprochen werden. Es ist also unbedingt erforderlich, dass man sich gut konzentriert und sich sagt „Ich will flüssig sprechen!“. In der dritten und letzten Phase wird nun gesprochen. Sobald ein Block kommt, muss man den Satz abbrechen und von vorne beginnen.

Der nächste Tag fing spannend und herausfordernd in der Frühe an. Die Übung hieß nur „die Dynamische“ und schien unterschiedliche Begeisterung bei den alten Hasen hervorzurufen. Diese Übung besteht aus fünf Phasen, die alle ca. 10 Minuten lang sind. In der ersten Phase geht es darum so schnell wie möglich durch die Nase ein- und auszuatmen und dabei mit den Armen unterstützend zu fungieren. Bei dieser Übung ist es besonders wichtig alles zu geben, denn je mehr man atmet, desto mehr Gefühle kann man spüren und in der anschließenden Phase zwei zum Ausdruck bringen. Diese besetzt daraus, dass man das was man fühlst, ob gute, fröhliche, traurige, verrückte, usw. Gedanken in irgendeiner Form zum Ausdruckt bringt. Es geht also um die Exploration der unterdrückten Gefühle, die man im Laufe der Jahre angesammelt hat. Selbst, wenn man in diesem Augenblick nichts spürt, sollte man versuchen Gefühle zu schauspielern. In der dritten Phase soll man Hüpfen und dabei die Hände in die Höhe halten. Wichtig hierbei ist, dass man wirklich die ganze Zeit in die Höhe springt und mit dem ganzen Fuß ohne Abfederung aufkommt. Während des Springens sollte man Silben wie „Hu“ oder „He“ schreien. Diese Übung dient dazu, dass die Zwerchfellmuskulatur gelockert wird. Die vierte Phase ist das Einfrieren des Körpers, dabei wäre es wünschenswert in der stehenden Position mit den Armen in der Höhe zu verharren und seinen Körper zu beobachten, bzw. in sich hineinzuhorchen. In der letzten Phase wird auf Musik getanzt. Diese Übung dient dazu einem nach der restlichen Phase zurück ins Leben zu holen.

Später am Tag wurde weiter die Sprechtechnik geübt, dafür sollte man sich meistens mit einem Partner zusammentun und sich gegenseitig Fragen stellen. Hierbei wurde, anstatt die Hände in die Flanken zu drücken, noch ein anderes Werkzeug, die sogenannte Spiegelfeder, vorgestellt. Diese elastische Platte wurde zur Versinnbildlichung des Zwerchfells eingesetzt, indem man es vor seinem Körper bei der Einatmung streckte und bei der Ausatmung zusammendrückte.

Insgesamt war ich erstaunt, dass sich die Teilnehmer so gut in einer Gruppe öffnen konnten und die Übungen so gut annehmen konnten. Des Weiteren war ich von der gegenseitigen aufrichtigen Hilfe der Teilnehmer imponiert, die sich auch darin äußerte, dass man durch Genauigkeit des Sprechens dem anderen probierte zu helfen. Dabei war es gleichgültig, ob die Teilnehmer 12 oder 59 Jahre alt waren.

Außerdem konnte auch ich als nicht-Stotterer viel für mich aus dem Seminar mitnehmen. Ich spürte, dass ich durch die Atemübungen und Anwendungen der Sprechtechnik ruhiger wurde und besser mit weniger Worte etwas zum Ausdruck bringen konnte. Leider gingen die eineinhalb Tage doch sehr schnell um und waren letztendlich, wie erwartet, viel zu kurz um sich einen ausreichenden Eindruck des Konzeptes machen zu können. Nichtsdestotrotz bereue ich nicht wenigstens ein wenig in das Thema geschnuppert zu haben und bin froh, dass ich die oben beschriebenen Sachen aufnehmen konnte.