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Helena's Erfahrungen und Gedanken als Logopädin

Lieber Hans,

vielen Dank für deine Nachrichten (Anmerkung: 5 Übungen gegen Stottern) in den vergangenen Monaten; ich hab sie alle mit großem Interesse 'verschlungen' .... heute will ich mich 'outen'.

Im Mai 2014 bekam ich einen 4 1/2 jährigen Jungen mit zunehmend gravierenden Stottersymptomen in Therapie ... ich bin Logopädin in der Schweiz. Mit wenig Erfahrung in der Behandlung von Sprechunflüssigkeiten machte ich mich auf die Suche nach einem für mich validen Konzept ... das in der Ausbildung zu diesem Thema Gebotene war nicht hilfreich ... also bin ich sehr schnell auf deiner Internetseite 'gelandet' - happy landing sozusagen.

Ich arbeitete nur bis Juli 14 mit dem Jungen (ich musste die Arbeitsstelle wegen 'zu viel' aufgeben, diesen speziellen Jungen zurück zu lassen fiel mir sehr schwer). Mit seiner Mutter (wie mit meiner Nachfolgerin) führte ich mehrere Gespräche und berichtete auch von meinem 'Fund', von dir.

Es gäb ein Buch zu schreiben - wichtig ist mir, dich wissen zu lassen, dass mich dein Konzept voll überzeugt (es gab Momente, in denen ich gern Stottererin gewesen wäre, um die Arbeit mit dir und deinem Partner aufnehmen zu können ... um von deinem Blick auf das Stottern bzw. auf meine Person getroffen zu werden! (sorry, bin heute etwas philosophisch drauf).

Und dann lese ich heute so was:

2. März 2015, 14.15 - 16.00 Uhr, inkl. Zvieri
Kinder-Uni: Stottern ist ok!
Phänomen Stottern - phänomenales Therapie-Camp
Erfahrungen eines betroffenen Jugendlichen
Referierende: Prof. Wolfgang G. Braun und Jürgen Kohler, HfH
Ort: HfH Zürich, Aula 300

Und ich dachte mir: Und wieso ist da nicht der Hans am Referieren? Und für wen ist Stottern o.k.?

'Mein' 4 1/2 Jähriger gab mir höchstpersönlich den Auftrag 'ich will, dass das weggeht; mach, dass das weggeht' (und erst ab dann haben wir uns überhaupt dem Thema 'stecken bleiben' gewidmet). Nix von o.k.!

Dein Konzept ist deines, wann bringst du es in die Schweiz? Ernst gemeinte Frage!

Ich würde niemals ein 'fremdes' Therapiekonzept telquel übernehmen und damit arbeiten; mir hat die Lektüre deiner Mails und deiner Internetseite Grundsätzliches wieder nahe gebracht: das Atmen an sich, Entspannen-Ruhe-einfach sein, Artikulieren im Ausatmen, dass ich persönlich davon profitiere (privater weise neige ich zum Poltern, bin ein sprudelndes Wesen, das sich selbst häufig als anstrengend empfindet, und frag mal meinen Mann :-P ).

D.h. dein Konzept hat mich zu meinem Wissen/meinen Erfahrungen aus der Stimmtherapiearbeit zurückgeführt, so dass ich dem Jungen Atem-Blas-Saug-Körper-Fühl-Spiele einerseits und Entspannungs-Gedankenreisen andererseits anbieten konnte - das war/ist mein Konzept, ich hab mich damit sehr wohl und echt gefühlt; die tolle Zusammenarbeit/Gespräche mit dem Jungen und die schon nach wenigen Wochen gemilderten Symptome bzw. seine verbesserte Selbstwahrnehmung bestätigten mich darin.

Jetzt wird's doch fast ein Buch, danke dir für deine Aufmerksamkeit.
Und ein großes Danke, dass du deinen Erfahrungsschatz der Welt / mir zur Verfügung stellst. Lass mich wissen, wenn du deine Arbeit in die Schweiz tragen möchtest.

Herzliche, weiß verschneite Grüße,
Helena