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Elisabeth berichtet detailliert über das Stotterer-Training

Eigentlich wollte ich am Abend vor dem Abflug von Wien nach Stuttgart das Wochenende in Wildberg absagen. Der Grund: Angst, wieder zu versagen; Angst, von Neuem aus eigener Kraft und alleine an sich und seinem Stotterproblem zu arbeiten. Dass ich dennoch gefahren bin, war eine meiner besten Entscheidungen!!!

Am Freitag ging's dann um 18:30 los .... das Übliche ... Vorstellungsrunde, na, ja, eine Situation, die nicht gerade zu meinen Lieblingsbeschäftigungen zählt, aber es sollte ja besser werden. Anschließend wurde uns die Sprechtechnik von einer Kursteilnehmerin, die den Intensivkurs an diesem Freitag abgeschlossen hatte, ausführlich und in flüssigen Sätzen erklärt:

  • Den Satz, den man sagen will auswendig lernen
  • Konzentration auf das Zwerchfell (Atmung) richten
  • Sprechen

Vor der Bettruhe wurden wir dann noch in die Kunst der Meditation eingeführt. So richtig los ging's dann am Samstagmorgen um 07:00 Uhr mit der "Dynamischen Meditation", die ihrem Namen voll und ganz gerecht wird. 

Nachdem uns schon am  Freitagabend die Sprechtechnik erklärt wurde, sollte nun auf die Theorie die Praxis folgen. Wir übten die Sprechtechnik ein und jeder konnte die Sätze, die er sagen wollte flüssig aussprechen. Anfangs war das ganze noch etwas ungewohnt, einige konnten sich schneller, andere wiederum nicht so schnell mit der neuen Sprechweise anfreunden.

So, nun drücken wir das ganze mal so aus: Mit der Sprechtechnik hatten wir die rechte Hand in Bewegung gebracht, aber damit man wirklich gut arbeiten kann braucht es beide Hände, also auch die linke, uns selbst, unser eigenes Ich, das bei manchen noch sehr klein, bei anderen vielleicht größer ist. Mit der bioenergetischen Übung lernten wir, bis an unsere Grenzen zu gehen, nicht gleich aufzugeben, sondern sich selbst dazu zu bringen, noch einen Schritt weiterzugehen. Eine weitere Übung die Sprechtechnik zu üben und gleichzeitig mehr von uns zu erzählen war die "Sag mir, wer du bist Übung". Dabei sitzt man einem Kursteilnehmer gegenüber, der immer dann, wenn man glaubt, nichts mehr von sich erzählen zu können erneut fragt: "Sag mir, wer du bist." Außerdem schaut man während der gesamten Zeit seinem Gesprächspartner in die Augen. Anfangs erzählt man belanglose Sachen, wie z. B. wie man heißt, woher man kommt, Freizeitbeschäftigungen udgl., doch ab einem bestimmten Punkt, wenn man alles erzählt hat fängt man plötzlich an Dinge zu erzählen, die einen beschäftigen, über die man mit einem Menschen, den man seit einem Tag kennt nie sprechen würde. Die Übung hatte es im wahrsten Sinne des Wortes in sich!

Am Sonntag dann kam der Höhepunkt: Quantum Light Breath, eine bestimmte Art der Meditation, die das Unterbewusstsein wachrüttelt. Wie ein Film liefen Bilder aus der Vergangenheit vor meinen Augen ab; Gefühle, wie Trauer, Zorn, Angst überfielen mich, aber dadurch, dass man sich immer wieder auf die Atmung konzentriert, verlieren die Bilder und Emotionen an Gewicht und wir können sie loslassen, sodass sie uns nicht mehr beschäftigen. Hans und Thomas unterstützten sehr einfühlsam alle Teilnehmer. Das Gefühl anschließend: eigentlich unbeschreibbar, untertrieben würde ich sagen: Entspanntheit und Erleichterung, wie ich sie noch nie erlebt habe.

Kurz vor Kursende wurde eine weitere Videoaufzeichnung gemacht, der Unterschied zur Aufzeichnung vor zwei Tagen: sie dauerte nicht halb so lang, obwohl gleich viel geredet wurde!!! Ja, das waren zwei sehr intensive Tage, an denen ich Hans Liebelt und seine Methode, das Stottern zu besiegen kennen gelernt habe. Ich hätte nie gedacht, dass an einem Wochenende soviel geschehen kann. Der 10tages-Kurs in Amsterdam hat für meine Person nicht annähernd das gebracht, was das Wochenende in Wildberg bewirkt haben. Man lernt sich so liebzuhaben, wie man ist; man wird mit sich selbst sensibler und beginnt mehr auf seinen Körper zu achten. Es entsteht ein Gefühl von "Ich bin Ich".

Ein großer Dank gilt Hans und Thomas, die das ganze Wochenende mit viel Power und Einsatz alle Kursteilnehmer motiviert haben. Aber das Wichtigste war die menschliche Wärme, Liebe und Zuneigung, die sie ausstrahlten und vor allem auch lebten. Jeder wird dort abgeholt, wo er steht und jede Person wird als Individuum respektiert. Sie leben und kämpfen mit dir, sie glauben an dich - und allein diese Tatsache versetzt Berge!!!

So, was soll ich jetzt noch sagen, ich kann schreiben, dass ich jedem den Kurs empfehlen kann, dass Hans ein super Trainer und Motivator ist, dass jeder, der es endlich wissen will, mit der Methode flüssig sprechen kann, dass alle, wenn sie die drei Schritte befolgen normal sprechen können. Das hab ich jetzt geschrieben, obwohl ich es selbst nicht mehr hören kann. Nach dem Kurs in Amsterdam ging es mit dem Sprechen recht gut, aber psychisch war ich total am Boden, weil ich wusste, dass wenn ich nicht weiterhin mit Methode spreche, alles Umsonst war. Ich kämpfte jeden Tag mit mir selbst, zwei Personen in mir bekämpften sich und ich selbst schaute hilflos zu. Zum einen wollte das Kind in mir endlich flüssig sprechen, zum anderen aber konnte es sich gegen die alten Gewohnheiten und Strukturen nicht durchsetzten, weil es noch zu schwach war. In Amsterdam wurde die Sprechtechnik zwar bis zum Umfallen eingeübt, aber das Kind in mir, auf das ich seit Ewigkeiten nicht mehr geachtet hatte wurde nicht berücksichtigt. So hatte ich - um einen Vergleich anzustellen - nach 10 Tagen einen perfekten Ski mit Bindung, aber mein Skischuh passte einfach nicht drauf. Und all dies machte mich total fertig.

Jetzt, an diesem Wochenende mit Hans Liebelt habe ich eine neue Perspektive bekommen. Er hat der Gruppe und mir einen Weg gezeigt, wie man wieder zu sich selbst finden kann, wie man es schaffen kann, dass der Skischuh auf die Bindung mit dem Ski passt, damit man endlich damit fahren kann. 

Ich habe mich bereits dazu entschlossen, den Intensivkurs bei Hans mitzumachen. Ob die Angst, wieder zu versagen, mitfährt? Vielleicht ein wenig. Aber eines weiß ich dieses mal ganz sicher: Mit Hans und seinem Team (und natürlich mit meiner eigenen Motivation) habe ich die besten Voraussetzungen, mein inneres Kind dort abzuholen, wo ich es einst stehen gelassen habe, um mein Stotterproblem endgültig zu besiegen und somit Stück für Stück ein neue Paradies zu schaffen ....!

Elisabeth